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40 Jahre SED - Misswirtschaft

Eine detaillierte, ganz korrekte Aufarbeitung der DDR-Zeit liegt mir fern, aber ein par Beispiele vorgeben, die zum Nachdenken, zum Mitdenken anregen könnten, möchte ich nicht für mich behalten. Die Zeitungen, das TV Programm beschäftigen sich manchmal mit Problemen aus der DDR-Zeit. Aus dem Zusammenhang gerissen, mit eigenartigen, lebensfremden Bewertungsmaßstäben, bleiben oft nur noch die Begriffe wie Kommandowirtschaft und STASI im Gedächtnis. Darauf alles zu reduzieren, das ist genau so unsinnig, wie beim freiheitlichen Rechtsstaat BRD das Berufsverbot, Verbot der KPD und striktes Kontaktverbot von Bundeswehroffizieren mit den Verwandten im Osten, nicht zu erwähnen. Dabei war das Leben in der DDR nicht nur Tyrannei und eingemauerte Unfreiheit. Es wurde gearbeitet, geliebt, gelebt, gefeiert und das Leben gemeistert. Wer wollte, wer seine Heimat liebte, der kam mit den Gegebenheiten klar, - zugegeben der eine besser, der andere schlechter. Wer von 40 Jahren SED-Misswirtschaft in der DDR redet, der weiß es vielleicht  nicht besser, aber es gibt ja noch genügend ehemalige DDR-Bürger, die es aufklären könnten, so fern sie  noch etwas mit der Vergangenheit zutun haben wollen.

(Einige Fakten, die ich im Folgenden bringe, entnahm ich der sehr interessanten Biografie von G. Schürer.) Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges waren in allen Besatzungszonen annähernd gleiche katastrophale, volkswirtschaftliche Bedingungen. Reparationszahlungen und Demontage von Maschinen und Anlagen einzufordern oblag den Besatzern in von ihren verwalteten Gebieten. Gerade in der Sowjetischen Besatzungszone waren keine marktwirtschaftlich günstigen Voraussetzungen für einen neuen Start in die Zukunft, weil ungefähr 50% der Maschinen demontiert und in die Sowjetunion verbracht wurden. Die Spezialisten wurden teilweise auch gleich mitgenommen. Weil der Faschismus so verheerend in der UdSSR gewütet hatte, war das nur ein geringer Teil der Wiedergutmachung. Von 1945-1953 waren von der SBZ sogar 15 Milliarden Dollar zu entrichten. Das war 25-mal mehr als die Reparationszahlungen in Westdeutschland. Obwohl es eigentlich eine gesamtdeutsche Schuld und Verpflichtung war. Vom erwirtschafteten Bruttosozialprodukt wurde von Ostdeutschland 1945-1946 fast 50%, bis 1949 noch 30% und bis 1953 noch 15% für Reparationen aufgewendet worden. In den Zonen in Westdeutschland ging der Aufwand von 14,6% 1946 bis auf 3,8% 1953 zurück. Dann wurden die, welche am Krieg, den Waffen, den Zwangsarbeitern Gewinne gemacht hatten, im Westen wieder in ihre alten Besitzstände eingesetzt. Der finanzielle Anschub durch den Marshallplan erleichterte den Wiederaufbau. 

Noch ein Punkt, der keine Beachtung findet ist die totale Unterwürfigkeit der DDR-Regierenden gegenüber den Sowjets. Um das Atomwaffenmonopol der USA zu brechen wurde gerade in der DDR auf der Wismut (Urangewinnung) von 1946 bis 1953 mehr als 7 Milliarden Mark für den Aufwand 11,- Mark für 1 Dollar gutgeschrieben auf dem Reparationskonto. Deshalb war das Wismut bis 1989 ein Zuschussbetrieb und entzog der Wirtschaft dauerhaft 70ooo bis 100ooo gut ausgebildete Arbeitskräfte und hinterließ gewaltige Umweltschäden.

Ganz schlaue Kritiker werden sagen, dass es ja Sache der Sowjets war, die ja der DDR weniger hätten aufbürgen können. Es zeigt aber deutlich auch die ungleichen Startpositionen nach Kriegsende und die bis zuletzt gängige Praxis, sich bei der DDR-Industrie mit selbst bestimmten Preisen zu bedienen. Einige Beispiele waren vom Waggonbau Ammendorf die Reisezugwagen, über diverse Kühltechnik bis zur modernsten Weltraum-Kameratechnik. Wenn alle diese Dinge geschafft werden mussten, sollte jedem klar sein, dass es dadurch zu Engpässen bei anderen Versorgungsgütern kommen musste. Um auf dem Weltmarkt einkaufen zu können, mussten die Valuta erst in zum Teil unvorteilhaften Transaktionen beschafft werden. Großes Glück hatte die DDR-Bevölkerung noch, dass es im Westen wenig Interesse an Zweitaktbetriebenen Pkws gegeben hat, - sonst wären die Wartezeiten für diese Waren noch länger gewesen. Um Politik zu verstehen, muss man etwas genauer die Zusammenhänge analysieren und wer nicht bereit ist seiner Voreingenommenheit ab zu legen, den können auch keine Erklärungsversuche gedanklich erreichen. Obwohl die DDR nun Geschichte ist, braucht niemand die Leistungen der Werktätigen versuchen zu schmälern. Von Misswirtschaft reden bedeutet eine oberflächliche Charakterisierung der Gegebenheiten. Wissenschaftler, Ingeneure, Meister, Facharbeiter wurden in diesem System der Planwirtschaft für die Planerfüllung genutzt. Mittel für die Durchführung, Anwendung neue Ideen fehlten oft. Sogar eine große Planübererfüllung war als schädlich zu bewerten.

Ein besonderes Kapitel widme ich den Priviligierten in der DDR. Einem Manfred von Ardenne wurden eigentlich von niemand seine Extravaganzen geneidet. Viel mehr waren es die Verwandtschaft von ZK-Mitgliedern und Kreis,- und Bezirksparteileitungsmitgliedern, sie nutzen ihre Chancen. Der einfache Genosse der SED hatte nur das Privileg besser, genauer, uneigennütziger zu arbeiten. Die schwarzen Schafe haben sich recht schnell, nicht zu letzt auch in der Wendezeit von den Zielen der Arbeiterpartei und der SED entfernt. Man spricht dann von den Wendehälsen, die aus Frust und Unlust vom opportunistischen Eigennutz getrieben, sich bei neuen Bewegungen, Parteien Vorteile versprachen. Leider gibt es keine genauen Untersuchungsergebnisse, wie viele SED-Mitglieder bei CDU, SPD, oder im rechten Spektrum ihre neue politische Heimat gefunden haben. Meine ganz persönliche Meinung ist, dass vor und nach der Wende in den Westen Geflüchtete ihren Schritt zum größten Teil im Nachhinein bedauern. Spätestens nach dem klar wird, dass man ewig der Zugezogene aus dem Osten bleibt und gefälligst die DDR als das furchtbarste Ereignis nach 45 anzusehen und zu bestätigen hat. Sicher fällt es vielen nicht schwer die oberflächlichen Behauptungen zu bedienen, aber es kann nur ein übler Beigeschmack sein, wenn sich die vermeintlichen Freiheitlichen Vorteile in nichts auflösen. Gekocht wird auch nur mit Wasser und die Arbeit wird an den Billigjobber vergeben. Möglichst ohne Gewerkschaften, in befristeten Verträgen. Die fetten Jahre (so fern man sie für gut befand) sind vorbei. Einheit Deutschland in Politik und Wirtschaft weiter denn je. Worin der Vorteil bei geschlossener Firmen, Schulen, Gesellschaftsbauten liegen soll, nur weil sie ein Zuschussgeschäft waren, entzieht sich meinem Verständnis, denn nun haben wir Menschen, die Arbeitslosengeld, Grundsicherungsgelder beziehen, ohne Gegenleistung. Zum Ausgleich die 1Euro-Job`s zu erfinden, machte die Sache auch nicht billiger. Immobilien verfallen, werden sinnlos zerstört müssen abgerissen werden. Die Beschäftigungslosen verblöden zu Hause vor der Glotze, die Kriminalität steigt, weil die Bedürfnisse den Möglichkeiten hinterher hinken, Suchtprobleme, gescheiterte Partnerschaften, Kinderverwahrlosung, Mietnomaden und so weiter ist die Folge. Natürlich gehört eine gewisse Veranlagung dazu, aber ich kann darin keinen Vorteil sehen. Wer dann für immer zum Lumpenproletariat gehört, das ist kaum noch umkehrbar.

Die Krisen im kapitalistischen System sind nicht von Gott gewollt, sondern Menschenwerk. Alles auf gierige Manager schieben, das ist zu kurz gedacht. Die Rolle des Staates ist es Verantwortung zu übernehmen und nicht dem Europaparlament zu zubilligen. Wenn das in der Endkonsequenz zur Abschaffung von Länderparlamenten, Regierungen führen sollte, dann käme es ja einer gigantischen Einsparung gleich, aber so vergrößert sich nur noch der Wasserkopf auf internationaler Ebene.

 

Wer sich bewusst wird, dass zur Krisenbewältigung keine Maßnahme zur Verhinderung weiterer Krisen gehört, der sollte grundsätzlich über das System nachdenken. Die technische Weiterentwicklung wird durch die Marktwirtschaft ganz sicher beflügelt. Das Neue, das Sensationelle verkauft sich gut und bringt Gewinne. Doch bei allem positiven Geschäftssinn, sollte man nicht vergessen, dass nicht das neueste Handy, der Flachbildfernseher, oder dass eine Menge Autos auf Halde stehen nicht das wichtigste ist, sondern das gesellschaftliche Wirken, wo kein Mensch, aus welchen Gründen auch immer, auf der Strecke bleiben muss. Wo die Wechselwirkungen von arm und reich auf dem Prinzip beruht was einer kann und für die Gesellschaft leistet, entgegen den geerbten Millionen, die Leute mit Prommibonus, den Menschen, die schon mit dem goldenem Löffel im Mund, auf die Welt kommen.  

 

Autor: hladam -- 25.8.2009 21:52:00

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