Spezielle Seiten

LindeboxLindebox

Suche

Suche
Sie sind hier: lindebox.de >> Erinnerungen

Hauptinhalt

. . . von der Wiege bis zur Bahre . . .

Ein paar Anhaltspunkte die kaum interessieren.

 

Meine Erinnerungen _ . . . von der Wiege bis zur Bahre . . .

Ab einem bestimmten Alter beginnt man zurück zu schauen. Man ist über`n Berg und es geht bergab.

DIE WELT EIN ZIRKUS UND ICH MITTEN DRIN:

Wenn Vergleiche angestellt werden, dann sucht jeder automatisch nach seiner Stellung, seinem Platz oder seiner Rolle, die ihm absichtlich oder unabsichtlich im Leben zugedacht wurde. Um dem Thema gerecht zu werden, müsste ich eigentlich viel mehr über diese Welt wissen. Doch unbefangen wie ich nun einmal bin, gehe ich einfach mal an die Sache ran; - mal sehen, was daraus wird.

Wenn ich einen kleinen Überblick von meiner Vergangenheit gewähre, heißt das noch lange nicht, dass ich mich bewusst einer Kritik aussetzen möchte. Geschönt wurde nichts, eher etwas weggelassen, um mich selbst nicht zu erniedrigen. Jedes Wort ist auch nicht immer genau bedacht worden. Sicher wäre es besser, wenn wir uns immer ganz genau überlegen würden, was wir sagen wenn wir den Mund auf machen. Es hätte nur den Nachteil, dass so manches Wort, aus übertriebener Vorsicht, nicht ausgesprochen würde. Worte ohne Belang sind auch wichtig in Situationen wo es um Harmonie, um Beruhigung, um das "nicht Abreißen des Gesprächs" geht. Sogar Worte in einer unverständlichen, fremden Sprache können genau so beruhigen wie aufregen, wenn die Umstände unmissverständlich sind.

GEDANKEN ZUM BEGINN

Mit der Geburt, Schmerzen erzeugend, kam auch ich auf diese Welt und die Erleichterung und Freude ist groß, wenn wir einigermaßen den Vorstellungen entsprachen. Lange Gesichter konnten wir zum Glück noch nicht wahrnehmen, weil wir mit Quäken und Luftschnappen beschäftigt waren; ein „Rückzug“ war ohnehin nicht mehr möglich. Die erste Milch mundete so toll, wie 15 Jahre später die erste Flasche Bier nach großer Anstrengung. Mit diesem Eintritt in die Welt sind wir, so lange Mutter lebt, das Sorgenkind. Wer sich sonst noch Sorgen machen wird hängt von unserem Talent, von unserer Energie und unseren Zielen ab. Die Zeit in der wir „behütet“ aufwuchsen, erforderte viel Aufmerksamkeit von unseren Erzeugern, damit wir uns unbekümmert mit dem „Vollkacken der Windeln“ beschäftigen konnten. Alles ist einfach und klar ... „Entweder – oder“, gab es noch nicht, weil wir außer Lallen, Brüllen und Schluchzen noch keine Möglichkeiten zur Täuschung unserer Umwelt zur Verfügung hatten. Das änderte sich schlagartig mit den ersten Worten und einem immer größer werdenden Wortschatz. Wie lustig war es doch, wenn wir auf die Frage „musst du pullern?“ laut „ja“ sagen, Hektik auslösten und es aber erst laufen ließen, wenn die Hose wieder hoch gezogen war. Scharfe Worte quittierten wir so lange mit sirenenartigem Geheule bis wir auf dem Arm mit den Worten „ist ja gut“, in einer Endlosschleife schunkelnd beruhigt wurden. 20 Jahre später sind diese Reaktionen auf ähnlich fatale Dinge nicht mehr zu erwarten. Wohl dem, der es bewusst genießen konnte. * Da sich mein großer Bruder, mit drei Freunden, nach seiner Schiffbauerlehre von zu Hause davon machte in Richtung Amerika, hatte meine Existenz einen höheren Stellenwert bekommen. (Einer schaffte es nach Manhattan, der Zweite bis Holland, der Dritte blieb in Düsseldorf und heiratete dort eine Fabrikantentochter. Nur mit dem Holländer habe ich noch heute Kontakt.) Mein Bruder starb in der Fremde. Sein bedauerliches Ableben durch einen Unfall beim Spielen auf Bahngelände, machte mich dann endgültig zum Stammhalter, Kronprinz, auf dem alle Hoffnungen gesetzt wurden. Alle Erziehungsfehler, die mein Bruder ertragen musste, wurden bei mir vermieden, so dass ich wahrscheinlich „leicht verzogen“ aufwachsen konnte. So zumindest wurde es mir hin und wieder später vorgehalten. Ob es von mir so empfunden wurde, kann ich nicht sagen, weil mir die Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Ich hörte also oft nur diese Worte, die bei mir Schuldgefühle erzeugen sollten, es aber nicht immer auslösten. Und je abgenutzter sie wurden, so geringer war die positive Wirkung auf mich.

* SPIELEN

Ich hatte als kleiner Junge mein Spielzeug, das nicht gerade üppig war, meist nur zerlegt und mich dann davon verabschieden müssen; die Teile wurden schnell entsorgt, da sie dann ja nur im Wege herum lagen. Meiner Meinung nach war das Grund falsch, weil gerade so ein Einzelteil, die Form, mich interessierte, meine Phantasie zum Träumen anregte. Als Vorschulkind sah ich bei anderen Jungen diese Figuren aus den verschiedensten Materialien. Indianer, Cowboys, Soldaten und Tiere bunt bemalt und in prächtiger Kulisse. Für mich natürlich unerreichbar, bis auf eine Zündplättchen Pistole, die ich einmal zu Weihnachten bekam; wie einen Schatz hütete, es aber nicht verhindern konnte, dass sie sehr schnell kaputt ging. Deshalb legte ich bald mehr Wert auf einfachere Dinge. Nicht das Halmaspiel war für mich bemerkenswert, sondern die einzelnen Figuren waren für mich kostbar. Die wurden von mir mit Tinte aus dem Füller bemalt. Bekamen Gesichter, einen Patronengürtel um, Revolver an den Seiten und ein halbes Streichholz wurde mit dem feinen Kupferdraht von einer Spule aus einem kaputten Radio, als Gewehr um gehangen. Die verschiedenen Farben, Größen und meine Regie in der Szenerie zeigten doch an, wozu ich wirklich taugte. General lag nahe, besser aber der „liebe Gott“. Ich erschuf mir meine eigene Welt und um sie richtig betrachten zu können, legte ich meinen Kopf auf die Erde und gleich wusste ich, wie das Kampfgeschehen weiter gehen musste. Siege und Erfolge ohne Ende, - einfach prima. Schlachtgetümmel das am nächsten Tag mit einem Vorwurf und dem Zusammenfegen, ohne mich zu fragen, beendet wurde und nur unter viel Mühe von mir exakt rekonstruiert werden konnte. Spielkameraden, außer einem netten Mädchen, gab es nicht in der Nachbarschaft. Nachdem wir die in diesem Alter üblichen, harmlosen, geheimen „Doktorspiele“ absolviert hatten, gab es weiter keine gemeinsamen Interessen. Durch Umzug entschwand sie meinem Gesichtsfeld. Ein rund 8 Jahre späterer Versuch vom „Doktor“ wurde von Erfolg gekrönt, aber durch die Wachsamkeit der Eltern immer sehr erschwert, so dass ich mich um andere Freundinnen kümmern musste.

* SCHULE Mit einer großen, unten spitz zulaufenden Tüte aus Pappe (Schultüte genannt), bunt beklebt, mit Süßigkeiten und Krimskrams gefüllt (meine war unten mit Packpapier ausgestopft), sowie mit gewichtigen Worten, wurden wir Schulanfänger in die Schule gelockt und es war so, dass der eine oder andere sich sogar freute. Diese Freude rührt natürlich nur von der Einfältigkeit, der seligen Unwissenheit, was da alles auf uns zukommt. Jetzt beginnt das Lernen ! Was lernen wir ? Lesen, Schreiben, artig sein, - oder zu mindest so zu tun. Wir stellen fest, was „gut ankommt“, wofür wir uns Lob und Tadel einhandeln. Wir neigen dazu, für so wenig Leistung wie möglich, so viel wie möglich Lob zu erwarten. Wir beginnen zu „flunkern“, um doch noch Belobigungen zu erhaschen. Wenn es nicht klappt sind wir echt sauer und unser Quengeln kompliziert nur die Situation. Die Nervenstärke meiner Umgebung war begrenzt. Ich trieb es regelmäßig auf die Spitze, bis ich endlich mit einer „Abreibung“ rechnen musste. Halten wir also mal fest, - Schwindeln im Hang zur Harmonie brachte auch mich rasch in Richtung Katastrophe. Wir mussten uns entscheiden ein „schwieriges, oder ein liebes Kind“ zu sein und das war in dem Alter nicht so einfach. Ich war damals immer ängstlich bemüht, doch im allgemeinen Urteil zu mehr fähig, als ich tat. Im Grunde unfähig, doch mit der nötigen Hinterlist und gepaart mit Sturheit, sind meine Ergebnisse bis zum heutigen Tag zu mindest „vorzeigbar“. Angefangen Fahrrad zu fahren hatte ich mit auf einer Pedale stehend und Rollern, dann schaffte ich es in dem ich seitlich unter der Stange durch, die rechte Pedale erreichte. Auf den Sattel kam ich damals noch nicht, also baute ich in ab, wickelte ein paar Lappen um die Stange, befestigte sie mit Schnur und fuhr damit. Schon in der Schule bewunderte ich als „kleiner Stippi“ die Kraft und Ausdauer eines Nachbarjungen, der mit seinem schicken Rennrad seine Runden drehte. Endlich durfte auch ich offiziell mit dem Herrenfahrrad vom Vater fahren. Ein Jahr später ging das auch mit Sattel und ich schaffte es einige Male (auch ohne Gangschaltung) zu siegen. Auf Spott und Häme konnte ich ziemlich sauer reagieren. Nicht mit primitiver Gewalt, sondern mit Verachtung strafte ich meine Gegner. Meine Worte waren dann meistens „verletzend“ und taten mir schon leid, kaum dass ich sie ausgesprochen hatte. Einer Prügelei ging ich oft aus dem Wege, weil ich zwar selber Schmerzen ertragen konnte, aber Angst davor hatte, etwas Ernsthaftes anzurichten. Selten schlug ich zurück. Einmal prügelte ich mich mit einem Jungen, der mich, aufgehetzt von Anderen, geboxt und getreten hatte. Ich war verletzt und fassungslos, nicht etwa von seinen Aktionen, sondern weil, als wir in der Klasse auf Geheiß des Lehrers Kleidung für diesen Jungen sammeln sollten, ich ihm meinen mir zu klein gewordenen Wintermantel geschenkt hatte. Und nun war der auf mich losgegangen ! Ich haute ihm ein paar mal mit den Fäusten auf die Nase bis er blutete, rang ihn zu Boden, bis er schön schmutzig war, - danach schämte ich mich sehr. Über die Anerkennung von einigen Klassenkameraden konnte ich mich nicht freuen. Der Lehrer kam zum Elternbesuch und ich hörte wie mein Vater sagte, daß er mit Befriedigung feststellte, dass ich mich endlich zu wehren wüsste. Kleidung war für mich so wie so ein „rotes Tuch“. Um Geld zu sparen brachte Vater die kleinste Uniform aus der Reichsbahnkleiderkammer für mich mit nach Hause. Die wurde dann abgeändert und ich musste sie zur Schule anziehen. Gottlob war ich da schnell raus gewachsen. Ähnliche Sparversuche blockte ich dann konsequent ab. Von den wechselnden Lehrern beeindruckten mich nur zwei nachhaltig: Beim Deutschlehrer der 9. Klasse dessen Liebe und Einfallsreichtum, uns die deutsche Sprache mit ihren vielen Facetten in ihrer ganzen Kompliziertheit nahe zu bringen. Und dann den Sportlehrer, der uns fanatisch für Wettkämpfe vorbereitete, so dass wir oft einfach siegen mussten. (Ich sprang damals 1,50 m hoch und schaffte die 100 m in 12,8 Sekunden, aber in Deutsch blieb ich leider bis heute „eine Pfeife“.) Verliebt war ich in eine Dagmar, der ich aber nie zu nahe getreten bin. Meine Verehrung färbte auf meinen Schulfreund Ivan ab, der sich dann gleich „ernsthafter“ mit ihr beschäftigte, sie später sogar geheiratet hat (bzw. heiraten musste). Für mich gab es auch ein paar Mädels, aber leider keine Dagmar. Eine besondere Rolle spielte eine Anneliese, in der ich weder verliebt war, noch besondere Bewunderung empfand, mich aber körperlich ungemein anzog. Sie war das Produkt eines amerikanischen Besatzungssoldaten dunkler Hautfarbe. Glücklicher Weise entschloss sich die allein erziehende Mutter samt Tochter, die DDR in Richtung Westen zu verlassen. In der Schule bemerkte ich, dass Klassenkameraden neu zu gereist, schon nach einem halben Jahr nicht mehr da waren. Die Familie hatte sich nach dem Westen ab gesetzt und mein Ort diente nur als Zwischenstation zum rüber schaffen von persönlichen Gütern. Mit der Frage an meinen Vater, wann wir endlich „abhauen“, erregte ich aber nur Verwunderung. Als 1961 die Grenze geschlossen wurde, hatte sich dann die Frage erledigt. Kurz vor dem Ende der polytechnischen Oberschule machten sich meine Defizite in der Mathematik immer mehr bemerkbar. Nur mit massiver Nachhilfe der Lehrerin erreichte ich auch in der mündlichen Prüfung ein positives Ergebnis. Mit der mittleren Reife, dem Abschluss der 10. Klasse in der Tasche, zur Berufsausbildung. Schon ein Jahr vorher wurde „gewürfelt“, abgeschätzt, Möglichkeiten „ausgelotet“.

* VOR 1961

Auf dem Grenzbahnhof zu Westberlin spielte sich einiges ab, was heute sicher in Vergessenheit geraten ist. Nur mit gültigem Ausweis und einer Fahrkarte konnte man mit der S-Bahn nach Berlin fahren. Zunächst durch den Westsektor zum Berliner Ring (Papestraße umsteigen), der auch durch die sowjetische Besatzungszone führte. Ich legte großen Wert darauf „Junger Pionier“ zu werden, weil ich mit diesem kleinen Ausweis auch erfolgreich die Grenze passieren durfte. Ich fuhr mit einer S-Bahnrückfahrkarte (40 Pfennige) eine Station und konnte im Kino mit Ostmark viele (1:1 ganz ohne Umtausch, der meist 5:1 war) Filme mit Tarzan, (oder meine geliebten Cowboys) usw. sehen. Spannender war es bis zum Potsdamer Platz zu fahren. Da waren noch einige Ruinen und die Grenze konnte man zu Fuß überqueren und es gab gleich drei Kinos(Aladin, Camera und das Roxi), in denen immer, wenigstens ein Film in 1:1 bezahlt werden konnte. Daneben gab es kleine Geschäfte für alle möglichen Dinge. Meine ersten Blue Jeans kaufte ich dort von meinem, in den Ferien sauer verdienten Geld, welches ich in einer Wechselstube nur mit langem Zureden in Westgeld umgetauscht bekam, weil mein Pionierausweis dort niemanden interessierte. Beim Kauf der Hose lernte ich kennen, wie gehandelt wurde. Der Ladeninhaber hatte mir den Preis genannt, nach dem ich sie anprobiert hatte. Ich sagte, dass mein Geld nicht reichen würde und wollte gehen. Die fehlenden zwei Mark belasteten mich sehr. Kurz bevor ich die Straße betreten konnte, hielt mich der Ladeninhaber zurück. Sehe mal richtig in allen Taschen nach, ob da nicht noch irgendwo 2 Mark sind, sagte er und gab sie mir dann doch für das Geld was ich hatte. Ich zog glücklich ab, (mein extra „gebunkertes“ Kinogeld war somit auch gerettet!) weil ich nun mit diesen Jeans „einer der Schärfsten“ war. Die nächsten Blue Jeans waren schon von Levi Strauss, kosteten aber auch schon 20,-DM West (das mal fünf gerechnet waren immerhin 100,- DDR-Mark). Mein Vater züchtete Nutrias und betrachtete das Geld für die Felle als willkommenes Zubrot zu seiner nicht sehr gut bezahlten Arbeit bei der Reichsbahn. (Damals galt der Spruch „ Reichsbahn und Post - säuft nur dort, wo es nix kost“!) Das Fleisch der Nutrias wurde von Verwandten und der Umgebung nicht geachtet, eher gemieden, weil diese Viecher wie übergroße Ratten aussahen. In Westberlin konnte er das Fleisch scheinbar mühelos an Restaurants und einen bescheidenen Kundenstamm verkaufen, die es angeblich als „Delikatesse“ bezeichneten, was sie aber nicht daran hinderte, ihm immer etwas weniger zu bezahlen. Ich hatte bereits erwähnt, dass mein Bruder ums Leben gekommen war. Um den eigenen Sohn „Heim zu holen“ brauchten meine Eltern Westgeld. Den Flug von Berlin Tempelhof in Richtung Düsseldorf mit Pan Am gab es nicht zum Nulltarif, also sollte ein Verwandter Schumachermeister mit eigenem Laden im Wedding (angeblich ein Kommunist), das Geld vorstrecken. Das Gespräch musste im Verkaufsraum vor den Kunden geführt werden und verlief ergebnislos. Ein Kunde (also ein Fremder!) legte spontan das Geld auf den Tisch und erhielt von Vater einen Schuldschein. Nachdem alles erledigt war, ging Mutter in Westberlin bei Leuten „putzen“ und zahlte es zurück. Aus der Not heraus wurde eine Tugend. Mit dem Umtausch 1 DM West zu 5 Mark Ost wurde das Putzgeld zu einem fürstlichen Lohn. Diese offenbare Chance wurde von sehr vielen Bürgern aus der DDR genutzt. Frauen banden sich einige Kilogramm Butter mit Tüchern unterm Rock fest, schmuggelten Ferngläser, Kinderkleidung usw.. Hauptsache Westgeld machen, um es um zu tauschen, das war die Devise von vielen Ostlern. Ich kann mich erinnern, dass man am Rande des am Alex (also im Osten von Berlin stattfindenden) Weihnachtsmarktes von Westjugendlichen angesprochen und aufgefordert wurde, Würstchen oder Anderes zu holen. In den Läden konnte es vorkommen, dass man beim Einkauf seinen Ausweis vorzeigen mußte. Der Staat DDR versuchte den Schmuggel durch strenge Kontrollen zu verhindern, (. . . im Volksmund hießen die Kontrollorgane „Taschenkieker“) Und dann kam ja die Mauer ... Der „kalte Krieg“ fand im Radio und später auch im Fernsehen statt und äußerte sich in „guten Ratschlägen“ für Werktätige. In der humorvoll gestalteten Radiosendung mit „Genosse Pinsel und Genosse Schnorchel“, die sich versuchten ihre Unklarheiten über die Tagespolitik gegenseitig zu beseitigen. Zum Schluss stand einer, oder sogar beide ziemlich blöd da. Volkstümlich gab sich die Radiosendung „Der Insulaner“ mit spitzfindigen, teilweise netten Dialogen und dem Lied „ . . . der Insulaner verliert die Ruhe nicht . . . . , der Insulaner liebt keen Getue nicht . . . .“. Für mich war im Radio das Kriminalhörspiel „es geschah in Berlin“ mit Kommissar Zett unheimlich spannend. Politische Abendsendungen fand ich nicht interessant, hörte aber fast immer „ die Schlager der Woche“.

* ONKEL PAUL

Ich hatte auch einen Onkel in Neukölln, der war seit ewigen Zeiten schon Rentner wegen Invalidität. Die dazugehörige Tante pendelte ständig von Ost nach West, - ich denke mal, es wird sich schon gelohnt haben. Der besagte Onkel flunkerte gerne und erzählte die phantastischsten Geschichten, die oft interessant und komisch, aber immer geschwindelt waren. Er freute sich diebisch, wenn er merkte, daß man ihm Glauben schenkte. Er hatte in einem Betrieb gearbeitet, wo Telegrafenmasten aufgestellt wurde. „Um anzugeben“, hat er dann mal einen Mast ganz allein angehoben und dabei war in seinem Kopf eine Ader geplatzt. Er hatte großes Glück, weil er es überlebte. Neben der Invalidenrente arbeitete er noch in einem Betrieb in einer Werkzeugausgabe und war ein sehr „umgänglicher Typ“. Weiterhin freute er sich, wenn mein Vater ihn besuchen kam und sie sich mit Schnaps und Bier besaufen konnten. Eine „Schnapsidee“ vom Onkel Paul war, einfach mal so mit der S-Bahn in den Osten zu fahren und den Vopos (Volkspolizisten) mal richtig die Meinung zu sagen. Vater wiegelte ab, aber Onkel Paul war nicht mehr zu bremsen und los ging es. Auf unserem Grenzbahnhof gab es immer einen Stau wegen der Dokumentenkontrolle, wo der Onkel schon mitten in der Schlange mit Vaters Ausweis stand und er langsam anfing zu zittern. Vater mimte den Volltrunkenen und gab der Reihe einen mächtigen Schups, so dass der Onkel „durchrutschte“. Vater war in Eisenbahneruniform und glaubte mit seinem Betriebsausweis durch die Sperre zu kommen, aber er wurde festgenommen. Der Onkel fand unser Haus und war zunächst mal glücklich „gerettet“ zu sein. Mir wurde der Ausweis von Vater übergeben mit den Worten, „gehe mal gucken !“ Ich bemerkte ihn in der Zollbaracke am geöffneten Fenster sitzend und steckte ihm, in einem günstigen Augenblick, seinen Ausweis zu. Eine Stunde später war auch er bei uns wieder zu Hause. Anstatt sich nun zu freuen und alle Verwandten im Osten zu besuchen, saß der Onkel Paul bibbernd vor Angst in unserer Küche und wartete stündlich, dass die Polizei kommt. Nach drei Tagen waren die Nerven von uns allen so blank, dass er zurück musste, sonst würde er „durchdrehen“. Dieselbe Nummer wurde in Berlin, direkt an der Sektorengrenze abgezogen, als es immer, um die Nachmittagszeit ein mächtiges Gedrängel gab, in umgekehrter Reihenfolge und ohne Zwischenfall. Vater hatte so gedrängelt, dass er selber unkontrolliert die Grenze passierte. Es dauerte nur wenige Tage, bis Onkel Paul seine Fassung wieder hatte und die gewohnte „große Klappe“. Nach dem 13. August, dem Mauerbau, war er auf einmal von seiner Frau getrennt, weil die zufällig gerade im Osten war. Sie brauchte fast 10 Jahre, bis sie die Ausreisegenehmigung zur Familienzusammenführung bekam. Sogar ein Sohn von ihr ist aus der Polizei ausgetreten, damit sie endlich fahren konnte. Ich habe ihn dann nie mehr gesehen. Obwohl es dann die Besucherreglung für Westberliner gab, wollte Onkel Paul nie mehr in den Osten !

* MEIN ONKEL ROBERT

Wenn ich schon einen Onkel hier erwähne, dann muß ich unbedingt über meinen anderen Onkel, den Onkel Robert erzählen. Ich verzichte auf die Beschreibung der ganzen Sippe, aber dieser Onkel hatte ein Herz aus purem Gold. Ich liebe ihn noch heute, er war der beste Mensch, den ich je kennen gelernt habe. Der erste Mann von Mutters Schwester hieß Gerhard und blieb in Stalingrad. Der zweite Mann war besagter Robert. Ein gelernter Klempner, der alle Blecharbeiten beherrschte. Gas-, Wasser- und Feinblecharbeiten. Wenn ihn Jemand um Hilfe bat, dann hat Onkel Robert immer geholfen! Seine einzigartige Art zu sprechen und Ideen zu entwickeln, um technische Lösungen zu erreichen, war toll. Fand er eine Lösung, dann wiederholte er sie mindestens zwei- bis dreimal und freute sich dann mit dem „Geholfenen“. Geld war Nebensache! Hauptsache war, dass es super funktionierte! Ich nahm es meinem Vater furchtbar übel, wenn er sich hinterm Rücken manchmal über Onkel Robert lustig machte. (Gegen ihn war er doch ein Versager!) Bei Geburtstagen spielte dieser Onkel wie selbstverständlich den Kellner und wenn alle alkoholisiert (fast voll) waren, dann holte er seine Geige raus und fiedelte „wie der Teufel“ gängige Melodien, dass sogar dazu getanzt werden konnte. Ich fand ihn immer klasse und war sehr stolz auf meinen Onkel Robert. Er arbeitete wie mein Vater bei der Deutschen Reichsbahn. Er hat sich wirklich für seine Familie aufgeopfert. Er pflegte eine ältere Dame bis zum Tode, erbte ihr Haus und Garten, verkaufte alles und schenkte seiner Tochter damit ein Auto. Er war einmalig und jeder konnte ihn gut leiden, aber manchmal haute auch er voll daneben. Jemand hatte ihn genötigt zu viele Schnäpse mit zu trinken. Weil der „Kellner“ weg war und die Toilette versperrt, wurde das Schloss mit viel Mühe geöffnet. Onkel Robert saß auf dem Lokus, hatte die Hose runter gezogen, aber die Unterhose offensichtlich „vergessen“ und nun, die Bretzel natürlich nicht im Klo. Alles hat gelacht, auch ich und beim nächsten Zusammensein auch Onkel Robert! Mal ehrlich, - was geht in unserem Leben nicht alles in die Hose?! Zu seinem Begräbnis kamen sehr viele Menschen. Was der Pfarrer erzählte, das war für mich nur „Wischiwaschi und Bla, Bla“ und ich war erleichtert, als direkt an seinem Grab einer von der Bahn die Stimme erhob und sich mit bewegenden Worten von ihm verabschiedete. Auch wenn ich später nie wieder sein Grab mit ein paar Blümchen besucht habe, sage ich ganz klar, ich liebte ihn und meine Achtung für ihn bleibt für immer bestehen.

BERUFSAUSBILDUNG

Was soll ich werden? Arzt schied gleich aus, - nur mittlere Intelligenz, faul, aber sportlich. Da muss es doch was geben, was der Junge werden kann - dachten sich meine Eltern und überließen mir letztendlich die Entscheidung. Ein schwerwiegender Fehler wie ich heute weiß, - denn für Millionär, besser Milliardär, fand ich alleine natürlich keine Lehrstelle. Eine Familientradition gab es nicht, weil Großvater Schneider war und mein Vater Eisenbahner mit einer vorher abgebrochenen Tischlerlehre, kurz mal Bereitschaftspolizist (bis 1933). Zur Armee wollte ich nicht, weil meine Eltern diesem Staat im Grunde sehr kritisch und feindlich gegenüber standen, was sie natürlich tunlichst in der Öffentlichkeit verbargen. In den eigenen vier Wänden aber schimpften sie oft über politische Ereignisse, mit denen sie sich aber nie korrekt auseinander setzten, sondern nur die Auswirkungen unakzeptabel fanden. Es gab kaum Auswahlmöglichkeiten für mich, deshalb ergriff ich einen Metallberuf. Ich wurde Schlosser und wenn das nicht euphorisch klingt, dann entspricht es der Wahrheit. Nie hatte ich besonderes Talent zum Schrauben und Reparieren gezeigt. Meine Lehre ging einigermaßen glatt über die Bühne, wenn man mal davon absieht, dass so manche Arbeit nicht unbedingt lehrreich war. Die Lehrwerkstatt fertigte Rennbootsmotore. Die einzelnen Arbeitsgänge vom roh gegossenen Aluminiumkurbelgehäuse; vom korrekten Anriss, Fräsen, Schleifen, Polieren der Überströmkanäle bis Einziehen der selbst behandelten Zylinderbuchsen, klappte alles in den vorgegebenen Zeiten. Selber gefeilte Radien an der Zylinderbuchse mussten mit den Fräsungen übereinstimmen, sonst war es Ausschuss. Nerven zerfetzend fand ich den üblichen Vorgang, wenn dass heiß gemachte Kurbelgehäuse nur um einen Millimeter nicht richtig angesetzt war an der Handpresse, dann gab es keine Möglichkeit der Korrektur. Alles aus und schlechte Zensur. Aber wenn alles super gelaufen war, dann wurde mit den Pressluftschläuchen Fett (einmal Eintunken reichte), oder kleinen Schleifpilzen, geschossen. Diese Fettkügelchen brachten den Lehrmeister des öfter zur Entgleisung. Strafen und Belehren reichten nicht zur Unterbindung dieses Blödsinns. 120 Betriebsstunden hielten die Rennbootsmotore und brachten der Lehrwerkstatt hohes Lob ein. In den Ferien ging ich stets arbeiten und mit der finanziellen Hilfe meiner Eltern schaffte ich den Kauf eines gebrauchten Mopeds aus der Nachbarschaft. Kaum gekauft, Zylindergehäuse runter gezogen und im Abtriebskanal Unebenheiten geglättet, dann poliert. So fuhr das gute Stück fast 70 Stundenkilometer und ich hob mich schon etwas ab von meinen Bekannten, die auch Mopeds hatten. Die Überbeanspruchung schlug sich dann hin und wieder in kleinen Schäden im Getriebe nieder. So fuhr ich im Sommer und im Winter wurde repariert. Ein Werksbus erleichterte die Fahrten zum Betrieb, doch ein Moped musste auch bewegt werden, so lange etwas Geld für Benzin aufzutreiben war. Mit Taschengeld wurde ich nicht zu sehr verwöhnt. Den Vogel habe ich abgeschossen, als ich den oberen Steg vom Zylinderkopf so weit abgeschliffen hatte (das Teil wo die Zündkerze eingeschraubt wird), dass durch die erhöhte Verdichtung das Gewinde der Kerze ausriss und die Zündkerze wegflog. Ein so schnelles SR2-Moped erregte Aufsehen, welches ich noch durch Aufbohren der Löcher im Auspuff klanglich zu variieren verstand. Jedem in der Straße wo ich wohnte war klar, wer nun gleich um die Ecke biegen würde! Wahrscheinlich liebte man mich aus diesem Grund nicht besonders, beobachtete mich misstrauisch und ließ es meinen Eltern wissen, wenn ich mal wieder etwas „verbrochen“ hatte. Wie mein Onkel, wollte ich Anderen helfen. Nur, mit dem Unterschied, dass ich null Ahnung von vielen Dingen hatte. Einer alten Frau in der Nachbarschaft reparierte ich die durchgerostete Dachrinne einfach mit Klebstoff. Bin allerdings dabei mit der Leiter, die sie unten auf der Innenseite festhalten sollte, auf sie drauf gefallen, als die Leiter wegrutschte. Nach zwei Wochen konnte sie schon wieder selbstständig die Toilette aufsuchen. In ihrem Kellerfußboden habe ich „selbstlos“ ein Loch gestemmt, damit das durch die schlecht isolierten Wände eingedrungene Wasser ablaufen konnte. Mit dem Erfolg, dass es tatsächlich zunächst ablief, aber nach vier Wochen fast 10cm höher stand. Ich fand aber immer eine logische Erklärung und mein Eifer wurde auch stets belohnt. Aus heutiger Sicht komme ich mir vor wie ein Hausbootsbesitzer, der versuchte sich zu unterkellern. Ich war aber kein wirklicher Idiot, sondern immer nur bemüht Probleme zu erledigen, die ich mir zum Teil selber geschaffen hatte. Ich war also immer vollbeschäftigt ...

Die tägliche Fahrerei zur Lehre war Zeit aufwendig, deshalb bemühte ich mich mit Erfolg um einen Platz im Internat der Firma. Der Grund war natürlich vorgeschoben, denn ich wollte ohne Bevormundung meiner Eltern sein. Das Risiko war groß, dadurch den Berufsschulabschluss nicht zu schaffen. In der praktischen Arbeit hatte ich keine großen Probleme, in der Theorie schon mehr. Mit meinen Vorzensuren vor der Prüfung wollte ich auf „Nummer sicher“ gehen, doch es gab zwei Fächer, wo es „kriselte“. Fachzeichnen und Chemie, - eigentlich nur Chemie, doch ich hatte mir den Fachzeichenlehrer unnötiger Weise zum Feind gemacht. Dieses Fach war immer die letzte Stunde am Unterrichttag. Ein Objekt, was der Lehrer für alle sichtbar und erreichbar (zum Abmessen) vor uns hingelegt hatte, sollte in drei Ansichten genau gezeichnet werden. Wer fertig war und seine Zeichnung abgab, der durfte nach Hause gehen. Ich machte es zack, zack und wollte los. Mein Lehrer machte mich auf einen Fehler aufmerksam, den ich schnell berichtigte. Nun gefiel ihm die ganze Zeichnung nicht mehr, weil sie durch Radieren etwas an Sauberkeit eingebüßt hatte. Er sagte mir, ich solle sie noch einmal zeichnen. Das erschien mir unangemessen und ich schlug vor, er solle mir eine 4 oder 5 geben und fertig. Er (ein geschiedener Junggeselle mit Hang zur Übertreibung, dabei war er nur ein meistens verschmähten Weiberheld, immer mit Schlips und Anzug!) lehnte das ab und verwies mich streng und laut auf meinen Platz. Die ganze Klasse hatte mit Zeichnen aufgehört und betrachtete mit Spannung, wie es weiter geht. Bei mir schwoll langsam der „Kamm“ und ich sah keinen Grund zum Nachgeben. Ich packte meine Sachen, legte die Zeichnung auf den Tisch vom Lehrer und ging zur Tür. Blitzschnell hatte sich mein Zeichenlehrer in der Tür breit aufgebaut. Ich griff zur Klinke und er drängelte meinen Arm ab. Da flogen bei mir alle Sicherungen raus und ich stemmte ihn wie einen Sack aus, tat ein paar Schritte und stellte ihn ab, - Tür auf und weg war ich. Die meisten Lehrlinge folgten mir. Ich bekam einen Tadel und habe gesehen, dass der Lehrer meine Tat auf eine ganze DIN A4 Seite im Klassenbuch „gewürdigt“ hat. Später erfuhr ich, dass ich nur knapp einem Verweis von der Schule entkommen bin. Ich hatte zum ersten Male im Leben einen „Feind“, der es dann auch schaffte, dass ich in Fachzeichnen eine Nachprüfung absolvieren musste. In Chemie war ich ganz einfach nur „Grotten schlecht“. Ich hatte bis zur 10. Klasse nur „getrieft“ und in der Berufsschule wurde darauf aufgebaut. Ich hatte keine Ahnung, wie ich ohne Grundwissen die Prüfung schaffen sollte. Mein Chemielehrer war ein großer muskulöser Judosportler und leitete einen Sportverein. Als er mich mal in einer Pause nach meinem Gewicht fragte, da war er begeistert und bot mir an, in der Sparte „halbschwer“ mit zu machen. Instinktiv sagte ich sofort zu. Es begann eine „anstrengende“ Zeit. Einmal in der Woche war Training, mindestens 2 bis 3 Stunden. Jungens und Mädels, dann die Halbwüchsigen, wie ich und ein paar Erwachsene. Es wurde Ausdauer durch Geräteturnen und Langlauf gefördert. Wenn alle vor Hitze „dampften“ wurde gekämpft. Schwerpunkt war nicht der Sieg, sondern das „saubere Durchziehen“ von Würfen. Dazu war es unbedingt nötig richtig „fallen“ zu lernen. Ich beherrschte es sehr schnell und war emsig beschäftigt, meinem Chemielehrer Freude zu machen. Mit der Ablegung des gelben Gürtels wurde ich für offizielle Kämpfe einsetzbar. Da wenig Konkurrenz im halbschwer Gewicht, wurde ich gleich Kreismeister und mit etwas Glück Bezirksmeister. Das war die Qualifikation zur DDR - Meisterschaft. Somit ein kometenhafter Aufstieg für mich und ein total glücklicher Chemielehrer, der ein klein wenig mit einer befriedigenden Vorzensur darauf achtete, dass ich in Chemie nicht durchfallen konnte! Ich erinnere mich noch an eine Leistungskontrolle, wo mein Nachbar „abguckte“. Zettel abgeben und fünf. Dann der Nächste und immer wieder Ermahnungen vom Lehrer. Ich hatte auch mein Chemiebuch auf dem Tisch liegen, aber ich war so unwissend, dass ich noch nicht einmal wusste, wo steht, was beantwortet werden sollte. Nach vergeblichem Suchen musste ich dann auch meinen Zettel abgeben. Habe es aber doch geschafft. Im Sportverein trainierte ich zur Vorbereitung auf die DDR- Meisterschaften im Judo doppelt so viel wie die anderen Sportfreunde. Mein Trainer wollte nicht, dass man mich „umbringt. Das tat er dann lieber gleich selber. Mit außergewöhnlicher Härte kämpfte er mit mir, doch kurz vor dem Wettkampf brachen bei mir drei Rippen und „aus der Traum“ ! Anmerken möchte ich nur, daß ich in Chemie die Prüfungen geschafft habe. Im Internat herrschte ein frecher, vorlauter, manchmal recht alberner Ton vor. Abends gegen 22:oo Uhr wurde zugeschlossen, nur gab es immer ein paar Möglichkeiten sein Zimmer zu erreichen, wenn man mal spät dran war. Mit Mädchen treffen, Exkursionen nach Berlin, oder mal Bier trinken waren oft der Grund für waghalsige Kletterpartien. Einmal bekam ich die Anweisung vom Meister, mich im Werk zu einer bestimmten Zeit in einem Büro zu melden. Ein Mann mit strengem Gesichtsausdruck nahm mich in Empfang. Wir setzten uns und er fragte mich über meine persönlichen Verhältnisse aus, über die ich wortkarg Auskunft gab. Er hatte sich nicht vorgestellt, deshalb sah ich keine Notwendigkeit ihm viel zu erzählen. Ich fragte ihn was er von mir wolle, aber er tat immer so, als ob ich das schon wüsste und das es besser wäre, wenn ich mich erleichtern würde und alles erzähle. Die Zeit verging, er paffte eine Zigarette nach der anderen und mir war unklar, was das werden sollte. Mit Andeutungen auf meinen Aufenthalt im Internat ging es weiter. Ich hatte nie was geklaut, noch wusste ich von irgendwelchen illegalen Dingen, die man mir oder anderen hätte vorwerfen können. Der Begriff „Sachse“ gefalle ihm persönlich gar nicht. Da zuckte ich nur mit den Schultern und bedauerte, dass mir der Begriff egal ist. Sausachse fände er gar nicht gut, aber im Zusammenhang mit unserem Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht, da hörte bei ihm die Freundschaft auf. Innerlich musste ich grinsen, weil im Internat lauthals solche Sprüche „in Mode“ waren. Dann reichte er ein Blatt Papier und Bleistift und meinte, ich solle aufschreiben, wenn ich nicht darüber reden kann und ließ mich allein. Ich stand auf, öffnete das Fenster und ließ frische Luft rein. Es war vergittert und mir dämmerte es langsam, dass ich hier bei der Stasi war. Das Klappern der Fensterflügel musste er gehört haben, da er gleich wieder im Büro stand um mir zu sagen, dass eine Flucht zwecklos wäre. Ich überlegte krampfhaft, wer mich wohl „in die Pfanne hauen“ wollte? Es gab nur einen Lehrling aus meiner Gruppe, der sich mal damit gebrüstet hat, Freiwilliger Helfer der Volkspolizei zu sein. Ich beteuerte, dass hier offensichtlich eine Verwechslung vorliegen müsse, denn ich habe solche Äußerungen eigentlich nur von jenem Lehrling gehört. Das aber brachte den Herrn (Genossen) ziemlich aus der Fassung. Er schimpfte los und es klang durch, dass es wohl so nicht sein könne, weil der ja . . . . . und zuverlässig wäre. Nach drei Stunden konnte ich gehen und ich trottete dann Richtung Lehrlingswohnheim und hatte nur noch den Gedanken, wie ich es dem Typen heimzahlen könnte. Bei nächst bester Gelegenheit schnappte ich mir den VP-Helfer und hatte gleich meinen Lehrmeister „auf dem Hals“. Meine Kameraden bei der Berufsausbildung kamen aus den verschiedensten Bezirken. Eines Tages waren zwei auch Afrikaner dabei. Praktische Ausbildung mit uns, theoretische Ausbildung separat. Es waren Augusto und Fernando aus Mosambik. Die erste Scheu wurde bald abgelegt und wir stellten fest, dass sie „in Ordnung“ sind. Augusto war der schelmische, fröhliche Typ; Fernando eher finster und verschlossen. Ich habe den Fernando bei einer Tanzveranstaltung beobachten können, wie er keinem Streit aus dem Wege ging und in „Rage“ wie ein Irrer zuschlug. Augusto verriet uns dann mal, dass er in seiner Heimat einen Weißen erschlagen hat und deshalb außer Landes ging. Ich nahm den Fernando mal zur Seite und redete ihm gut zu, er solle sich doch zusammenreißen. Anstatt wütend zu werden flossen auf einmal Tränen und ich war dann auch so gerührt, daß ich glatt mitheulte. Unsere beiden Neger wurden zu Ingenieuren und wir wurden Facharbeiter.

SCHLOSSER

Von der Lehrlingswerkstatt in die Produktion zu wechseln, war wie der Sprung in kaltes Wasser. Verzweifelt suchte ich nach einer Halle, wo ich nützlich sein konnte (außer Brötchen holen und ausfegen). Eine Qualifizierung zum Pressenführer legte ich zusätzlich in Zwickau ab und kam in die große Halle, wo alle Blechteile vom LKW W50 gepresst wurden. Ich durfte Pressen bis 1ooo Tonnen führen, selbst meine Schneid- und Tiefziehwerkzeuge einrichten. Eine Norm war festgelegt und die erfüllte ich ständig mit 120% und mehr, was ausgezahlt ca. 750,- Mark bis 800,- Mark einbrachte. Eine Menge Geld damals, - mehr als mein Vater verdiente. Bis zu 200,- Mark gab ich zu Hause ab und hatte endlich mal ein bisschen finanzielle Freiheit, wenn ich mal zum Tanzen ging. Fahrerlaubnis für Motorräder gleich beim ersten Anlauf geschafft. Ich legte mir einen Motorroller Troll zu und schielte schon in Richtung Auto. Aber immer wenn es gut läuft, kommt etwas dazwischen! Der Betriebsleitung waren die Steigerungsraten in der Produktion der Blechteile nicht verborgen geblieben. Eine Austauschbrigade aus dem Zwickauer Robur Werk kam und rechnete ihre Leistung mit 150% bis über 200% ab. Die Werksleitung traf die Entscheidung die zur Folge hatte, dass die neu erreichten Prozentzahlen zur Norm erhoben wurden. Der Normer kam mit der Stoppuhr und meine 120% vom Vortag waren nur noch 75% mit dem entsprechenden Lohnverlust. Das machte „Wellen“ bei allen Kollegen und die neuen Normzeiten drückten den Lohn enorm. Mir machte das Arbeiten dann dort keinen Spaß mehr. Zumal ich gesehen habe, dass die Zwickauer manchmal nachts unter Abschaltung aller Sicherheitsvorkehrungen arbeiteten, um weiterhin gute Prozente zu erreichen. Die Zwickauer waren stur und gingen zum Parteisekretär und fragten, ob sie richtig handelten. Die „Schummelei“ kam nie offiziell zur Sprache und die Partei fand alles „super“. Die Zwickauer fuhren bis auf ein par Kollegen wieder nach Hause und unsere Norm war „versaut“. Ich selber habe es dann auch mal probiert und beim Ausschneiden von Türen die Lichtgitterschranke ausgeschaltet und zusätzlich mit einem Fußschalter die Presse gesteuert. Das hatte den Vorteil, dass ich sofort beim auseinander fahren mit dem Oberkörper in die Presse gehen konnte, um das Blechteil raus zu nehmen und bei „auf dem Schalter belassenem Fuß“ gleich das neue Teil einlegte. Ich wurde immer schneller, bis ich aus dem Rhythmus kam und bei runter fahrender Presse noch mit dem Kopf im Bereich des Schneidwerkzeuges war. Im letzten Moment nahm ich den Fuß vom Schalter und die Presse kam zum Stillstand. Das war knapp. Ich zog mein „Rübchen“ dort raus und ging „ Eine rauchen“ mit dem Gedanken, dass ich mit dem Schalter Glück gehabt hatte. Es gibt nämlich einen Punkt, wo die Maschine nicht mehr anhält und dann durchläuft. Für mich war klar, „ich hau in Sack“ und suche mir andere Arbeit. Ein Jahr später, als ich schon bei Berlin-Chemie beschäftigt war, traf ich einen ehemaligen Kollegen, der mir einen Unfall schilderte, wobei einer der Zwickauer unter Ausschaltung aller Sicherheit in die Presse geraten und natürlich „platt“ war. Danach wurden alle Normzeiten „überarbeitet“ und man konnte wieder gut arbeiten (und verdienen).

BERLIN-CHEMIE

So war ich war nun bei der Berlin-Chemie in Grünau als Abteilungsschlosser. Ohne Schichten mit weniger Geld, fand es aber interessant und ruhig. Als meiner Bewerbung positiv entsprochen wurde, fuhr ich mit Herzklopfen zum ersten Gespräch mit dem Abteilungsleiter. Die Aufgabe war klar. Arbeitsanzug, Garderobenschrank, Betriebsrundgang und Vorstellung beim Meister. Der Meister zeigte und sagte mir am nächsten Tag alles, was ich wissen musste. Dann gingen wir ein Stück hinter die Werkstatt und er zeigte mir das getarnte Loch im Zaun, wo man mit dem „Einstand“ ohne Pförtnerkontrolle passieren konnte. Ich ließ mich „nicht lumpen“ und holte 2 Flaschen Braunen und eine Tasche voller Bierflaschen. Meine Flaschen wurden mit anderen „Wettverlusten, Geburtstagen usw.“ aufbewahrt und nach vier Wochen, an einem Sonnabend, wo eigentlich nur 4 Stunden zu arbeiten waren, - ging es los: Der Sonnabend diente oft nur zum Ordnung machen in Lager und Werkstatt; dem Ausfegen der berühmten Dreckecken, die sonst immer beflissentlich übersehen wurden. Es war eine Wohltat, frisch geduscht noch mal am Tisch in der großzügig gehaltenen Garderobe mit Tischen und Stühlen, Platz zu nehmen und mit den übrigen Kollegen mal eine Flasche Bier zu schlürfen. Als es dann hieß, dass es mein Einstand wäre (und Geburtstag von dem und den . . ) wurde ich mit einigen Kollegen etwas vertrauter und die „plauderten dann so aus dem Nähkästchen“ und darüber, wie hier so der „Hase läuft“. Scheinbar war die Alkoholdosis, vom Meister verordnet, doch etwas zu hoch, denn wir begannen Lieder (auch schweinische) zu singen und die Witze wurden immer derber. Bis gegen 12:oo Uhr ging die Arbeitszeit und wir nahmen schon die zweite Überstunde in Angriff. Ein Klopfen an der Tür und eine nette Dame vom Lohnbüro trat ein und bat, dass wir doch bitte nicht so laut singen sollen, ihre Kolleginnen und sie können sich nicht so richtig auf die Abrechnung konzentrieren. Wir schlossen die Fenster und es wurde nicht mehr „gegrölt“. Der Meister legte fest, wann Schluss ist und dann traten wir zur festgelegten Zeit den Heimweg an. Disziplin ist eben alles! Der Einfluss der Partei begann langsam zu wirken und die Brigade vom Meister Hammer sollte sich einen fortschrittlichen Namen suchen. In der alten Werkstatt neben dem Heizhaus gab es eine Sitzecke, über welcher ein aus Holz (übergroß) gefertigter Hammer an zwei Ketten hing. Nachdem etwas Druck auf Brigade, Brigadier und Meister ausgeübt worden war, kam die große Umbenennung der Brigade Hammer in Brigade „Roter Hammer“, was im Betrieb allgemeine Heiterkeit hervorrief. Zu allem Überfluss hatte ein Spaßvogel den Hammer mit Stiel auch noch rot angestrichen. Das wurde kurzer Hand beseitigt und die Brigade hieß nun weiter nur „Brigade Hammer“. Es gab eine so genannte Pfennigkasse in diesem Betrieb. Wenn man dort Mitglied war, wurden am Monatsende bei der Abrechnung nur glatte Summen ausgezahlt, ohne Pfennigbeträge. Wenn man mal außerplanmäßig Geld brauchte, konnte man sich ein paar Hundert Mark ohne Zinsen von der Kasse borgen. Nach zwei Jahren meinte mein Vater, dass es doch sicher für mich besser wäre, wenn auch ich bei der Deutschen Reichsbahn arbeiten würde. Davor aber erst noch meine Heirat und die Armeezeit.

Nach meinem Wehrdienst ging ich zur Deutschen Reichsbahn.

DIE DEUTSCHE REICHSBAHN

Im Bww Rga (Betriebswagenwerk Rummelburg) wurde ich zunächst bei der Instandhaltung eingestellt. Züge fuhren auf ca. 8 Gleisen ein und es wurden in einer vorgegebenen Zeit Mängel abgestellt. Elektriker, Schlosser prüften und reparierten; Reiniger fegten und wischten; Wagenmeister prüften die Wagen rund um die Uhr. Schwerpunkt: Ordnung und Sicherheit herstellen in einem eisernen Zeitlimit! Obwohl ich so gut wie keine Ahnung von Elektrik hatte, bekam ich die Aufgabe, die großen Batteriekästen unter den Wagen zu betreuen. Das bedeutete öffnen, rausziehen, destilliertes Wasser auffüllen, Brücken prüfen, defekte Batterien wechseln, Kästen schließen, Regler prüfen, defekte Leuchtmittel wechseln, den Kollegen im Wagen bei Reparaturen unterstützen, Funktionsprobe, - fertig. Die große Halle war nicht beheizt, aber für die Züge gab es an beiden Enden des Gleises Dampfanschlüsse und Pressluft zur Funktionsprobe der Bremsen. Die Kollegen der verschiedenen Gewerke waren in den Schichten altersmäßig sehr verschieden. Wenn man Pech hatte, war nach der eigenen Arbeit noch die noch nicht bewältigten Aufgaben der Kollegen zu erledigen. Wenn man wollte, konnte man ohne Pause durcharbeiten. Irgendwo war immer was im Argen. Am schwersten waren die Bremssohlen zu wechseln und im Winter die zugefrorenen Toiletten mit Dampfschlauch aufzutauen. (Man sprach dann vom „Honigschleudern“). In der Halle dampfte und zischte es ständig und der gesammte Schmutz in den Behältern hatte seinen ganz eigenen Geruch. Mit Interzonenzügen (die ins westliche Ausland, bzw. Westdeutschland fuhren) hatte ich selten zu tun.

Narrenhände beschmieren Tisch und Wände! In den folgenden Zeilen setze ich mich mit dem Phänomen Sprayer, Schmierer, Scheiben-Kratzer und Dreckbotten auf den Sitzen auseinander. Davor möchte ich aber betonen, dass ich den Brüdern die Leiter festhalten würde, wenn sie sich mal getrauen würden die Regierungsgebäude etwas bunter zu gestalten. Eine Losung könnte ich anregen „zurück zur sozialen Marktwirtschaft an statt brutaler Marktwirtschaft!“, oder „lernt zählen, damit ihr wisst wie viele Arbeitslose wir wirklich haben!“, oder „wartet nur ab, - die sozialen Ungerechtigkeiten bekommt ihr zurück!“ (. . . spätestens wenn die bankrotten polnischen, tschechischen Bauern euch den Mist vor die Türen kippen!!) Das währen Sprüche, ich akzeptieren könnte, anstatt dem Quatsch, der allgemein gesprayt wird. Aber nun los zum Thema. Graffitis machen triste Ecken bunter. So, - oder so ähnlich geht der Text eines Schlagers. Das hört sich lustig an. In Natura ist es aber gelinde gesagt eine abscheuliche Schmiererei. So wie mein Hund bestrebt ist sein Territorium mit Urin zu kennzeichnen, bemühen sich auch die jungen „Hirnis“ ihr Territorium ab zu stecken. Die drei Tropfen von meinem Hund gegen einen Baum, ein Rad oder Hauswand bringt manchen Betrachter in Rage. Die Krakel an den Wänden scheinen nicht zu stören. Aus dem Radio tönt, dass von 900 S-Bahn Aufsichtspersonal der Bahnhöfe 700 entlassen werden sollen. Wenn dann nur noch 200 die Aufsicht haben, kann sich jeder vorstellen, wie sich die „Schmierfinken“ freuen werden! Wer diese Malerei und als Kultur oder Kunst bezeichnet, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Sind die deutsche Kultur, die deutschen Werte abhanden gekommen? Was ist eigentlich Kunst und was ist es wert vor Vandalen geschützt zu werden? Betreten wir eine U-Bahnstation in der Mitte von Berlin, bekommen wir einen Eindruck vom geistigen Dünnschiss, der die heutige Jugend plagt. Offenbar ausländische Schriftzeichen und mehrfarbige Ornamente zeugen davon, dass hier internationale Idioten am Werk waren. Hohe Preise für Fahrkarten sind ärgerlich, aber dazu noch dieser geballte Ladung Schmutz an den Wänden, das ist unerträglich. Die BVB hat kein ausreichendes Konzept und scheint zu kapitulieren. In diesem Falle sollten alle Fahrgäste sich verpflichtet fühlen mit Hinweisen an das Personal es den Schmierfinken, durch einfaches beobachten (nicht wegsehen!) und dem Spruch „ Dich kenne ich doch!“, entgegen zu treten. Meist ist es das Desinteresse, was Vorschub leistet, den Schaden immer größer werden lässt. Wer hat nicht als junger Mensch Dummheiten gemacht? Der Spruch der Eltern hat seine Gültigkeit nie eingebüßt „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände!“. Die zerkratzten und bemalten Fensterscheiben von Straßenbahn, S-Bahn und U-Bahn sind ekelhaft. Das Ablegen der Beine auf dem gegenüber liegendem Sitzplatz wird nun auch schon von einigen Erwachsenen praktiziert. (Das sind aber vielleicht nur die Flegel von damals, die jetzt Erwachsene geworden sind und nichts dazu gelernt haben!) Auf einen Hinweis wird oft wütend reagiert, obwohl die betreffende Person wirklich keine Schlafwagenkarte gekauft hat! Nur ein beherztes Eingreifen (Füße runter schieben!) schafft Veränderung, aber hervorruft manchmal richtige Schimpftiraden. Nur nackte Gewalt erzielt Wirkung, wird akzeptiert. Ein kleines Problem, welches in dieser Gesellschaftsordnung offenbar nicht „abgestellt“ werden kann. Ich frage mich bei solchen (im Grunde) Lappalien, wo man ansetzen muss. Da die Reinigung der Züge innen und außen Millionen verschlingt müsste es sich doch „rechnen“ , wenn mehr bezahlte Beobachter in den Zügen mit fahren. Empfindliche Geldstrafen sind wohl leider unausweichlich. Unsere U-Bahn ist ohnehin schon mit ihren tristen Bahnhöfen abgrundtief hässlich, wenn man sie mit der Moskauer, oder Pariser Metro vergleicht. In Richtung amerikanischer Verhältnisse sollten wir uns nicht manövrieren lassen. Auch dort gibt es saubere Ecken, habe ich mir sagen lassen! Was passiert nun mit einem „Ferkel“, das erwischt wurde? Eigentlich fast nichts und der Erwischte bedauert auch nicht ehrlich seine Vorgehensweise, sondern eher nur, dass er sich hat erwischen lassen. Was braucht man um das Problem zu lösen? Freiwillige, die zu zweit oder zu dritt Jagt machen, mit einer kleinen Digitalkamera ein Beweis herstellen, dann die Personalien, damit die Reinigungskosten und dazu noch Geldstrafe den Richtigen trifft. Eine Polizei, die schnell an Ort und Stelle ist. In den Fällen, wo schon im Voraus zu sehen ist, dass nichts zu holen ist, - mitnehmen und zu nützlicher Arbeit verurteilen. Das geht nicht ohne Zwang und körperlicher Gewalt! Nicht blind zu schlagen, sondern Alternativen anbieten. Freiwillig geht kein Rowdy mit. Ganz wichtig erscheint mir der Aspekt, dass sich alle Nationalitäten an solchen Aktionen beteiligen müssen. Reizgas und Elektroschocker sollten zur Bewaffnung reichen und vor Gewaltbereiten (mit Messer und Knüppel) schützen. Übertriebene Gewaltbereitschaft der Ordnungshüter muss bei der Auswahl und Schulung erkannt werden. Der Einwand, dass es Sache der Polizei ist, so etwas zu regeln, ist berechtigt. Doch auch dort wird Personal „eingespart“ und selten ist die Zeit der Staatsdiener ausreichend für die kleinen Verfehlungen vorhanden. Das Ergebnis sieht jeder, der mit „offenen Augen“ sich umsieht, dass sind Scherben und Unrat im Park, Schmierereien wo hin man blickt, das ist für mich jedenfalls unerträglich und sollte verändert werden, …… ! GREIFT EUCH DIESE FERKEL UND ACHTET GENAUER AUF EURE KINDER, DAMIT EUCH KEINE MITSCHULD TRIFFT. Macht aus diesen „Aussteigern“, die bettelnd in Bahnhofsnähe rum sitzen wieder Einsteiger. Nur durch Beschneidung der Freiheit, durch „Wegfangen“ und Geld für Arbeit (z. B. Graffitibeseitigung) wird der „Teufelskreis“ durchbrochen. Mit Erstaunen werden wir feststellen, dass ein nicht geringer Prozentsatz der Bettler nur „Schnorrer“, sind. Die Plätze sind (organisiert) verteilt und es werden „Abgaben“ an die Organisatoren entrichtet. Plätze, die in 4 Stunden weniger als 50 Euro einbringen sind nicht erstrebenswert. In diese Szene kann nur eindringen, wer sich um diesen Mikrokosmos ernsthaft kümmern will. Fahrkartenverkäufer wissen, mit wie viel Kleingeld solch ein Bettler täglich zum Wechseln kommt. Je nach Platz können bis 100 Euro zusammen kommen. So viel hat im Ostteil nicht jeder bar ausgezahlt, wenn er arbeiten geht. Eine Entwicklung, die kaum jemand bemerkt. Als letztes Thema möchte ich noch ein paar Worte über das bunte Völkchen mit Hund, Büchse Bier und dem lockeren Spruch „haste mal`n Euro, oder`n bisschen Kleingeld?“. Sich der heutigen „Leistungsgesellschaft“ total zu verweigern fällt nicht schwer, wenn man mit Kleingeld zu frieden ist. Selten geht aber die Rechnung auf, denn spätestens mit 30 Jahren sieht der jenige wie 60 aus, die Leber vom billigen Fusel und die Nieren von kühlen Plätzen kaputt. Obdachlos den harten Gesetzen der Strasse unterworfen, sind die Möglichkeiten zurück in die Normalität zu finden gleich null. Den Sammelbegriff „Assi“ für diese Schicht am Existenzminimum ist nicht immer gerechtfertigt. Es kann schnell gehen obdachlos zu werden. Scheidung, Schulden und Arbeitslosigkeit und die Fehleinschätzung, dass man trotzdem ohne Hilfe aus kommen kann, führen ganz schnell in diese Einbahnstrasse, wenn nicht der „eiserne Wille“ und eine gute Portion Glück vorhanden ist. Freunde erkennt man erst dann, wenn man sie bitter nötig hat.

Der Strich drunter, - oder ein bisschen Lebenserfahrung.

Mal von den Besucherzahlen ausgehend vermute ich, dass meine Beiträge für den einen oder anderen doch von Interesse sind. Mit politischen Parteien beschäftige ich mich nicht, sondern schimpfe nur über die Auswirkungen von Politik im täglichen Leben. Schwarzkittel mag ich überhaupt nicht, die Grünen verteuern im Namen des Umweltschutzes alles und sind obendrein noch machtgeil geworden, Gelbes ist mir seit dem Fallschirmspringer ohne Schirm total suspekt, Braunes setze ich mit Fäkalien gleich und die ganz Roten haben es die viele Jahre DDR nicht geschafft, - warum sollten sie es gerade jetzt schaffen. (…. sie können sich aber zu 100% auf meine Stimme bei der nächsten Wahl verlassen!) Welche Partei bleibt da noch? Natürlich die Bürgervereinigungen, die Nichtraucher, Biertrinker Limbo-Tänzer und Frauen-Versteer, Linksrumtänzer! Es gibt für mich keine Partei mehr, nur noch mich selber. Ich kann nur lachen über solche Aussagen, die zur politischen Mitarbeit aufrufen. So dumm war ich mal. Mein Portrait hing an der Straße der Besten, links als erstes. Das verpflichtete mich möglichst besser, schneller, verantwortungsbewusster und immer um gute Qualität bemüht zu sein. Ich stand somit unter Beobachtung und konnte nicht, wie andere es taten, z. B. Baumaterialien für das eigene Wochenendhäuschen im Betrieb klauen. Sogar mein eigener Vater wollte die Tagespolitik von mir erklärt haben, auch wenn es mir manchmal selber nicht ganz klar war, was da ablief bzw. es mir auch nicht gefiel, was passierte. Das mitregieren beschränkte sich, genau wie heute, nur im Mitbezahlen, ja sagen, Parteidisziplin üben und machtlos zu sehen, Einsicht in die Notwendigkeit zu zeigen. In den letzten Jahren war ich immer wieder mit regelmäßiger Selbstverständlichkeit arbeitslos. Es gibt ja zu Haus auch viel zu tun und der Zeitaspekt ist nicht zu unterschätzen. Ich habe angefangen zu lesen. Angefangen mit der Hitlerbiografie und dann immer mehr Biografien, bis Peter Ustinow. Auch wenn die Autoren manchmal einer politischen Linie folgen, kommen sie an wichtige Fakten nicht vorbei und egal, wie sie sie kommentieren, im nächsten Buch eines Zeitzeugen kann man die Wahrheit erahnen. Mein Fable für Biografien entwickelte sich langsam, mit den Möglichkeiten, die man bekommt, wenn man gern Flohmärkte besucht. Die 50 überschritten und die 60 Jahre fast erreicht, beginne ich auch einen Strich zu ziehen und mal zu überdenken, was ich so erlebt habe. Leider habe ich einige Jahre, die ich besser links liegen lasse, denn ich kann nicht darauf stolz sein. Es ist mir ein Rätsel, warum ich als junger Mann über 9 Jahre verheiratet sein musste, mit einer Frau, die mich ganz bestimmt nicht liebte, ob wohl sie mir zwei Söhne gebar. Dann Scheidung, Kinder getrennt, Auslandsmontage, Heirat, - das sind nur ein paar Worte aber immerhin der Zeitraum von Jahrzehnten. Die Zeit in der UdSSR war prägend und was passierte und gleich danach kam war aus heutiger Sicht ökonomisch nicht viel besser, aber interessanter. Das ganze Leben „rock and roll“ währe mir zu anstrengend, aber ich lege Wert darauf, dass im Hintergrund weiterhin „AC/DC“ spielt. Jede gelesene Biografie steht für einen politischen Zeitabschnitt wie Krieg in Korea, Vietnam, Kuba und anderes. Die Erinnerungen von Egon Bahr, F. J. Strauß, Andrej Gromyko, Valèry Giscard d`Estàing, Hans Apel, Ernesto Guevara, De Gaulle, Helmut Kohl, Chruschtschow, Grigori Jefimowitsch Rasputin, Helmut Schmidt, GFM Rommel, Oskar Lafontaine, Marlon Brando, Feliks Dzierzynski, Eugen Berthold Brecht, Herbert Köfer, Adolf Hitler, Goebbels, Winston Spencer Churchill, Francois Mitterand, Alexander F. Kerenski, Franz Schönhuber, Trotzki, Marcel Reich-Ranicki, Deng Xiaoping, Eva Peròn, Egon Krenz, Jimmy Carter, Bismarck, Richard Nixon, Willy Brand, Henry Kissinger, Joseph Wissarionowitsch Dshugaschwili. Die Reihenfolge ist willkürlich gewählt und viele Bücher davon warten noch auf mich. Es ist sehr spannend Stalin zu lesen und gleichzeitig ein Buch, dass ein englischer Geschichtsprofessor in der heutigen Zeit geschrieben hat, nach dem er Gelegenheit hatte Archive des Politbüros, KGB und anderer Institutionen der ehemaligen UdSSR zu studieren. Dazu noch ein Bierchen zu trinken. Fast alle Biere sind mir recht, Hauptsache es ist keine bayrische Plurre dabei. Gern unterhalte ich mich mit älteren Menschen, die oft nur so sprudeln vor übergroßer Lebenserfahrung. Man muß natürlich zuhören können, - sich auch mal dazu Zeit nehmen.

Die Wahrheit, - so wie ich sie sehe.

Die Wahrheit ist nur ein Wort, wie Freiheit, Gerechtigkeit, Ordnung und doch klingt es gut. Die Wahrheit ist wie ein Urteil und darf selten an`s Licht kommen. Mit der Auslegung der Wahrheit werden Ziele erreicht, Menschen manipuliert. So war es früher und so ist es heute. So bald ein Politiker den Mund auf macht, sagt er alles was ihm nutzt, aber selten die Wahrheit. Er lässt sie zu mindest weg und fängt an sie zu interpretieren. Er kommt auf keinen Punkt, er spricht es nie aus, er „brilliert“ mit Fachwissen, schafft aber keine Klarheit, aber er verdunkelt die Wahrheit, er kann sie niemanden zumuten, er muss uns schonen. Lassen wir es dabei.

VALENTINA Von der leichten Hand, die alles regelt. Irgendwo hab ich schon mal über meine liebe Frau ein paar Sätze aufgeschrieben, aber auch wenn man in den Spiegel schaut, sich Bilder aus verschiedenen Zeitabschnitten an schaut, sieht man nicht gleich den Menschen in seiner ganzen Wirkung. Die Zeit verändert einen Menschen nicht nur äußerlich. Schaut man jeden Tag in das gleiche Gesicht fällt die Veränderung kaum auf. Im Vergleich zu einigen uns bekannten Familien fällt das Urteil „schärfer“ aus. Für mich steht fest, dass ich verhältnismäßig sehr großes Glück hatte meiner Frau begegnet zu sein. Ihre kurz entschlossenen Reaktionen waren und sind immer noch berechenbar. Überraschungen gibt es immer wieder, weil das Leben immer wieder schnelle Wendungen per Rat hat. Die Anziehungskraft aus jungen Jahren ist nach der „Silberhochzeit“ einem Harmoniebedürfnis gewichen. Im Laufe eines Jahres treten oft einige Schwierigkeiten auf. Der Ärger ist vorprogrammiert. Am Ende eines Jahres denken wir, dass es (oft finanziell) schon ziemlich „dicke“ gekommen ist und es nur noch besser werden könne, - aber es ist immer wieder noch eine Steigerung möglich. Diese objektiven Schwierigkeiten ärgern und stören das Leben. Ein Leben ohne nennenswerte Hemmnisse würde aber Überdruss schaffen. Dass der Mensch nie zu Frieden ist, schafft die nötige Spannung, den Antrieb zu Veränderungen. Der Anspruch auf Sicherheit, finanzielles Auskommen und auch mal Wünsche Realität werden zu lassen, konsequentes heran gehen an Nah, - und Fernziele, sind Voraussetzung für ein harmonisches Eheleben, wenn sich Erfolge einstellen. An Anerkennung von Nachbarn, Freunden und Bekannten herrscht kein Mangel. Mit zunehmendem Alter und somit abnehmender Leistungsfähigkeit finden wir nicht immer das rechte Maß, - aber wir arbeiten daran. Letzt endlich kommen wir einfach nicht mehr weiter und schalten dann zwangsläufig „einen Gang zurück“. Kommen wir mal zu den Verschiedenheiten, - denn immer im harmonischen Gleichklang währe doch öde und fad. Da der eine Teil Ordnung, Sauberkeit, Frische und das Dekorative liebt und zur Maxime erhebt, kann mein manchmal chaotisches, effektives, wirkungsvolles, phantasievolles Handeln erheblich gestoppt werden. Wenn ich dann fertig bin mit meinem Projekt (z.B. Teehäuschen, Puppensammlung usw.) ist es oft was besonderes, macht Freude und ist Ansporn für weitere Phantasien. Ich glaube das wichtigste in der noch verbleibenden Zeit ist, sich an den positiven Dingen zu erfreuen. (Was früher Kleinigkeiten waren.) Noch wichtiger, diese Dinge und Ereignisse zu erkennen und einordnen. Normaler weise erkennen wir immer erst hinterher, was gut und schön war. Deshalb glaube ich dass es ganz wichtig ist schon jetzt UMSCHALTEN auf „ . . . es geht uns gut!“. Mache ich die „Glotze“ an, dann sehe ich natürlich nur das, was man bereit ist mir zu zeigen. Bei den 1000 Programmstationen aus aller Welt die mich über mehrere Satteliten erreichen gibt es über 30 Stationen, die ständig bis teilweise in russisch senden. Mal von der nervenden Reklame abgesehen, sind sie ein Fenster nach der Ukraine, Litauen, Grusinien, Russland und in viele weitere GUS – Länder. Zu sehen gibt es Talkshows, Ableger von „Wer wird Millionär“ und fast der ganze „Rotz“, den ich hier in Deutschland auch „aufgedrängelt“ bekomme. Jede Menge amerikanische Aktion – Filme im englischen original Ton und ein Übersetzer spricht russisch darüber. Höhepunkte für uns sind die Wiederholungen von alten russischen Filmen, wo fast immer der Sozialismus auf gebaut wird, oder ein Riesenprojekt, welches die Menschheit dringend braucht. Interessant ist der Wetterbericht, aktuelle Ansprachen von Politikern und Berichte aus den einzelnen Regionen, wenn Leute von der Strasse befragt werden. Schalten wir in den Werbeunterbrechungen um, kommt es vor, dass wir ganz das Interesse verlieren und die Röhre wird ab geschaltet. Dann sind die Hunde sofort wach, denn es geht, egal bei welchen Wetter, noch mal raus zum Spaziergang. Je nach Witterung bekommen sie ihren Pullover, Regencape, oder nur das Laufgeschirr an gelegt. Dann geht es raus auf unsere Strasse, durch den Wald und am Ende der Runde in`s Bett, wo die Frau schon von Perlenketten, Pelzmäntel und der Million im Lotto, träumt. Morgen früh um 3/oo Uhr klingelt der Wecker und die uns feindlich gesinnte Welt hat uns wieder im Griff. Ich muss später erst raus, auf dem Weg zur Arbeitsstätte, entspannt sich mein Gesicht. Ich löse meine Kollegen ab und mache meine Arbeit betont freundlich. Endlich wieder zu Hause, gerate ich wieder in den Einflussbereich meiner „besseren Hälfte“ und fühle mich wieder „unbesiegbar“.

Autor: hladam -- 13.11.2006 6:08:14

Dieser Artikel wurde bereits 1876 mal angesehen.



Optionen zu diesem Artikel:


136586 Besucher

Nach oben.
.

xx_zaehler