Spezielle Seiten

LindeboxLindebox

Suche

Suche

Hauptinhalt

Friedhof der Sozialisten

Eine machtvolle Demonstration des ohnmächtigen Volkes,- denn eigentlich sollte alle Macht vom Volk aus gehen.

Ein Teil meiner Bekannten gehen im Januar immer zum Friedhof der Sozialisten und ehren Rosa Luxenburg und Karl Liebknecht. Bei mir ist diese Tradition durch Arbeitszeit, Krankheit oder Urlaub unterbrochen worden. Nun war es wieder so weit, das Wetter bis auf etwas kräftigen Wind günstig, also machte ich mich auf den Weg.

Ein paar rote Nelken gekauft, bemerkte ich den immer dichter werdenden Fussgängerverkehr mit gleichem Ziel. Fast an jeder Ecke Polizeiautos, dazu noch Polizisten zwischen den Besuchern des Friedhofs, in der Luft ein Polizeihubschrauber. Mit so vielen Menschen hatte ich nicht gerechnet. Jung und Alt gemessenem Schrittes wie schon vor Jahren, als es ein wichtiger Pluspunkt im Kampfprogramm der Brigaden im Titelkampf war. Ich bemerkte ehrliche Wiedersehensfreude bei Mitgliedern ehemaliger Hausgemeinschaften, vor allem sehr viele Jugendliche, die ganz sicher nicht den DDR-Alltag kennen können.

Es geht hier um die Erinnerung an einen Zeitabschnitt, der den Deutschen nicht zur Ehre gereicht. Ein mahnendes Zeichen für das HEUTE, wo in der Welt nur militärischer Gewalt die Durchsetzung der (angeblichen) DEMOKRATIE bestimmt.

fried

*

funkwa steinblu

*

mengeleu

*

lautsp

*

kochb

*

more

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Achtung - Zitat:
Wie war das noch? (Quelle: Junge Welt)
Die für damalige Verhältnisse enorme Summe von 1 700 Mark erhält ein jeder der braven Bürgerwehrler aus Wilmersdorf für die Ablieferung der Arbeiterführer im Hotel ohne Wiederkehr. Die Summe wird vom »Großbürgerrat« des Bankiers Marx gespendet. Marx zählt mit dem Großindustriellen Hugo Stinnes zu Pabsts Finanziers. Sie sorgen dafür, daß er und seine 70 Offiziere mehr als nur ihre Hotelrechnung bezahlen können.
Inzwischen hat Hauptmann Pflugk-Harttung die »Marinespezialeinheit« herangeholt. Es sind dies außer seinem Bruder vier junge Marineoffiziere: der Oberleutnant zur See Ulrich von Ritgen, der Leutnant zur See Heinrich Stiege, der Leutnant zur See Bruno Schulze und der Leutnant zur See Hermann W. Souchon. Zur Tarnung tragen sie Uniformen einfacher Soldaten. Man geht nach oben ins ehemalige Casino zu Hauptmann Pabst. Dort beraten sich die Herren Offiziere.
Liebknecht zu beseitigen erscheint ihnen relativ einfach. Man will die bereits wenige Tage zuvor erprobte Methode anwenden: »Erschießen auf der Flucht.« Doch was tun mit Frau Luxemburg? Einer hinkenden kleinen Frau kann man schwerlich auf der Flucht »eins verpassen«. Also denkt man sich etwas Besonderes aus. Wie wäre es, wenn man es so aussehen ließe, als sei sie Opfer der »Volksseele« geworden?
Pabst überzeugt sich von der Identität Rosa Luxemburgs. »Sind Sie Frau Rosa Luxemburg?« »Entscheiden Sie bitte selber.« »Nach dem Bilde müßten Sie es sein.« »Wenn Sie es sagen!« Rosa Luxemburg setzt sich in eine Ecke und liest in Goethes »Faust«.

Freibrief zur Ermordung

In seinen unveröffentlichten Memoiren schreibt Pabst zur »Exekution« Liebknechts und Luxemburgs: »Daß sie durchgeführt werden mußte, darüber bestand bei Herrn Noske und mir nicht der geringste Zweifel, als wir über die Notwendigkeit der Beendigung des Bürgerkrieges sprachen. Aus Noskes Andeutungen mußte und sollte ich entnehmen, auch er sei der Ansicht, Deutschland müsse so schnell wie möglich zur Ruhe kommen. Über das daß bestand also Einigkeit.«
Pabst geht nach nebenan und telefoniert mit der Reichskanzlei. Ein Mann wie er scheitert nicht wie die Mittelständler, er wird nach oben durchgestellt zu seinem Chef Gustav Noske. Pabst bittet ihn - so teilt er es in seinen Memoiren mit - um den Mordbefehl. Noske antwortet: »Das ist nicht meine Sache! Dann würde die Partei zerbrechen, denn für solche Maßnahmen ist sie nicht und unter keinen Umständen zu haben.«
Und wie das denkwürdige Telefongespräch weiterging, berichtete Pabst 1968 dem ehemaligen Marinerichter und Rechtsanwalt Otto Kranzbühler. Noske habe Pabst aufgefordert, die Genehmigung des Generals von Lüttwitz zur Erschießung der beiden Gefangenen einzuholen und nach der Einwendung Pabsts, »die werde er nie bekommen«, mit den Worten reagiert, »dann müsse er selbst verantworten, was zu tun sei«. Pabst versteht dies zu Recht als Freibrief zur Ermordung der beiden ehemaligen Genossen Noskes und schreitet zur Tat.
Zuerst wird Liebknecht von den getarnten Marineoffizieren abgeführt. Um Aufsehen zu vermeiden, bringt man ihn zum Nebenausgang. Das wurmt jedoch den Jäger Otto Wilhelm Runge, der an der Drehtür des Hauptportals Wache steht. Denn Runge, ein verwirrter Mensch, ist von einem Offizier namens Petri bestochen worden. Petri weiß nichts von den Beschlüssen im ersten Stock und fürchtet, der verhaßte Liebknecht könnte lebend davonkommen. Also hat er Runge 100 Mark gegeben. Er solle Liebknecht mit dem Gewehrkolben den Schädel einschlagen. Runge sieht, wie sein Opfer zu entschwinden droht, rennt um das hermetisch abgeriegelte Hotel herum und kommt gerade hinzu, als Liebknecht neben den Offizieren Platz nimmt. Er versetzt ihm einen Kolbenschlag. Schwer getroffen sinkt Liebknecht in den Sitz, dabei tropft Blut auf die Hose eines der Offiziere. Liebknecht sagt: »Es blutet«, keiner kümmert sich darum. Das Auto fährt los.
Nach kurzer Fahrt haben sich die Offiziere im Tiergarten »verfranst«. Was dann passiert, schildert Horst Pflugk-Harttung einem anderen Marinekameraden am nächsten Tag. Pflugk »erzählte gegen die Verpflichtung absoluter Geheimhaltung, daß er bei der Überführung Liebknechts in das Gefängnis eine Autopanne im Tiergarten fingierte, Liebknecht dann am Arm nahm, um ihn zu führen, ihn absichtlich losließ, um ihm die Gelegenheit zu einem Fluchtversuch zu geben und dann nach kurzem Abwenden hinter L. herschoß; Liebknecht wurde getroffen und von mehreren Schüssen getötet«. Der Marinekamerad, ein wohlerzogener Junge aus gutem Hause, müßte jetzt eigentlich seinen Freund bitten, sich zu stellen. Doch Ernst von Weizsäcker (der Vater von Richard von Weizsäcker) hat eine andere Lösung parat: »Ich rate Pflugk zur Flucht.« Wer Liebknecht hinterrücks erschossen hat, ist auch belegt: die Offiziere Horst von Pflugk-Harttung, Ulrich von Ritgen, Heinrich Stiege und Rudolf Liepmann. Sie liefern seine Leiche an der Rettungsstation gegenüber dem Eden ab. Dann gehen sie zu Pabst und melden Vollzug. Der läßt jetzt auch Rosa Luxemburg wegbringen.

Erschlagen, erschossen, ertränkt

Der Oberleutnant a. D. Vogel »geleitet« Rosa Luxemburg durchs Hauptportal. Hier steht immer noch der Jäger Runge, der sich seine 100 Mark »redlich« verdienen will. Er schlägt zweimal mit dem Gewehrkolben auf sie ein. Schon nach dem ersten Schlag stürzt sie zu Boden, verliert einen Schuh und ihre Handtasche. Den Schuh nimmt ein Soldat als Trophäe mit. Die Handtasche gerät in die Hand eines Offiziers: Albert Freiherr von Wechmar. Er entwendet daraus einen Brief Clara Zetkins und verkauft ihn 1969 an den Historiker Hermann Weber. Für mehrere hundert Mark.
Die halbtote Rosa wird in den Wagen geworfen. Das offene Auto fährt Richtung Cornelius-Brücke. Etwa 40 Meter vom Hotel entfernt fällt ein Schuß, aus nächster Nähe abgefeuert, »der links vor dem Ohr eintrat« und zu einer »Sprengung der Schädelgrundfläche« führte. So der Obduktionsbericht. Rosa Luxemburg ist sofort tot. Abgegeben hat den Schuß, so stellt sich erst Jahrzehnte später heraus, der Leutnant zur See Hermann Souchon.
Der Transportführer Vogel läßt die tote Frau in den Landwehrkanal werfen, wo sie erst fünf Monate später gefunden und sofort von Noske und seinen Militärs konfisziert wird. Selbst vor der Leiche fürchten sich die Sozialdemokraten noch.
Am Tag nach dem Doppelmord meldet sich Pabst zum Rapport in der Reichskanzlei. Sicherheitshalber hat er einen Trupp seiner schwerbewaffneten Männer mitgebracht. Sie sollen die Reichskanzlei stürmen, falls doch ein Sozi auf die Idee käme, ihn verhaften zu lassen. Doch die Angst ist unbegründet. Sowohl Ebert als auch Noske geben ihm dankbar die Hand. Ebert, den Kurt Tucholsky treffend als Radieschen charakterisierte - »außen rot und innen weiß« -, gesteht einem Parteifreund: »Albert, noch zwei solcher Siege wie die über Liebknecht und Luxemburg, und wir haben gesiegt!«

»Der Grundstein der Demokratie«

Die SPD setzt zur Untersuchung des Vorfalls ein Militärgericht ein, das aus den Kameraden von Hauptmann Pabst besteht, darunter Wilhelm Canaris, der spätere Abwehrchef Hitlers. Der eingesetzte Ermittlungsrichter Paul Jorns (später am »Volksgerichtshof« der Nazis als Richter tätig) gehört ebenfalls der GKSD an. Alle zusammen vertuschen mit dem Segen der SPD den Doppelmord. Die meisten Täter kommen frei, Runge und Vogel erhalten lächerliche Strafen. Vogel wird schließlich von Canaris aus dem Gefängnis geholt und ins Ausland verfrachtet. Ein Jahr später begnadigt ihn Noske - entgegen dem Rat des Kriegsministeriums. Die eigentlichen Täter wie Pabst und Souchon kommen selbstverständlich nie vor Gericht. Von Noske ganz zu schweigen.
Zum selber lesen :
https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/2004/01-15/004.php
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

*
2008 Meine Rosen für Rosa Luxenburg

strnavi

Dieses Mal früher als sonst auf dem Weg zum Friedhof der Sozialisten.

rosaluxenburg

grabkur08

karlundrosa

Um 9:oo Uhr schon viele Besucher, wobei erst um 10:oo Uhr am Frankfurter Tor sich die Leute formierten.
Von Bekannten hörte ich dass gegen 12:oo Uhr ein nicht enden wollendes Meer von Besuchern Karl Liebknecht und Rosa Luxenburg ehrten.

Autor: hladam -- 13.1.2008 20:17:06

Dieser Artikel wurde bereits 968 mal angesehen.



Optionen zu diesem Artikel:


61387 Besucher

Nach oben.
.

xx_zaehler