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Mit Tieren richtig umgehen.

Immer daran denken, dass es noch viel dümmer kommen kann, als man denkt.

Wie ich beinahe Malischka umgebracht hätte.
Beim Urlaub im Kaukasus, bei den Verwandten meiner Frau, ist vieles anders, als in unseren Breitengraden. Um es vorweg zu nehmen, beinahe ist nicht, als ob ich es getan hätte. Selbst die besten Vorsätze müssen bei der Umsetzung mit Sachverstand und Verantwortungsbewusstsein untersetzt werden, sonst kommt es zur Katastrophe. Als Schwiegermutter mich bat im Kuhstall mal die elektrischen Leitungen zu überprüfen, weil das Licht nicht brennen wollte, habe ich die kühne Konstruktion als nicht regenerierbar eingeschätzt und mich geweigert Hand an zu legen. Die Kabel waren schon so alt, die Isolation abgebröckelt und anstatt einer Verteilerdose, war alles zusammen gerödelt und hing lose an der Lehmwand. Das Bakelit des Schalters hätte einer Überprüfung nicht Stand halten können. Oma guckte traurig und winkte ab. Ne nada, nicht nötig, war ihr Kommentar. Die Stalltür und die Tür vom Hühnerstall waren noch in einem befriedigendem Zustand, aber die Tür wo die Futtermittel gelagert wurden, die sah furchtbar desolat aus. Das hätte mich nicht weiter stören können, wenn ich nicht gesehen hätte, dass Schwägerin ihren Steinkohlenvorrat mit drei kräftigen, ordentlichen Eichentüren eingefasst hatte. Ich beschloss Omas Tür gegen solch eine Tür aus Eiche zu tauschen. Gesagt, getan und ich hängte die Tür aus, stellte sie auf die Pedale eines Fahrrades, holte auch so die Eichentür und wäre schnell fertig geworden, wenn die neue Tür im Abstand der Scharniere gepasst hätte. Dem war nicht so und deshalb begann ich ein par Zentimeter von der Unterkante ab zu sägen und dann musste ich noch das obere Metallband mit dem Auge um 10 Zentimeter versetzen, damit die Haken in der Hauswand passten. Nur noch bohren und anschrauben, hätte ich müssen, aber alle wollten und mussten zum Geburtstag vom Schwager. Ich unterbrach meine Arbeit, holte eine kräftige Bohle, stellte die Tür gegen die Öffnung und die Bohle dagegen und war erst mal fertig mit dem Problem. Wenn ich geahnt hätte, was da noch kommen sollte, hätte ich mich von meinem Vorhaben nie abbringen lassen. Wir gingen zum Geburtstag, Oma entriegelte die Toreinfahrt und kam mit. Wir feierten schön, ich wurde, wie alle anderen Männer, abgefüllt und gegen Mitternacht waren wir wieder zurück. Kurz nach 17:00 Uhr kam die Kuh selbständig, wie immer nach Hause, schob das Tor auf und riss die Bohle von der Futterkammertür um. Die Tür fiel um und die Kuh, Malischka, fraß alle gefüllten Behälter, Eimer, Papiersäcke mit Kleie, Körner usw. leer. Dann ging sie in ihren Stall und legte sich hin zum Schlafen. Oma hat dann am Abend zwischendurch die Toreinfahrt geschlossen, alle Türen wieder zu gemacht und mit uns weiter gefeiert. Das Böse Erwachen kam dann am nächsten Morgen, als sie feststellen musste, dass Malischka alles weggefressen hatte. Der Verlust der Futtermittel war nicht das Problem. Malischka hatte einen riesig aufgequollenen Bauch und wollte, oder konnte nicht mehr aufstehen. Für die Verdauung des Futters, musste sie unbedingt hoch und es gelang ihr nicht. Mit vereinten Kräften, mit guten Worten, mit Schimpfen, mit einem Stock Angst machen, alles hatte nicht geholfen. Malischka weinte, Oma weinte, der Tierarzt bemühte sich, alle diskutierten und überlegten, was man noch tun könnte. So einen dicken Bauch hatte ich auch noch nie bei einer Kuh gesehen. Wenn Malischka bis morgen früh nicht steht, verreckt sie, da muss sie vorher noch schnell geschlachtet werden, so lautete die große Losung, mit der sich nun alle abfinden mussten. Natürlich war das meine Schuld. Keiner warf es mir vor, aber ohne meine Aktion mit der neuen Tür, währe das Unglück nicht passiert. Ich hatte dann meine Arbeit schnell beendet und schaute jede Stunde bei Malischka rein, sprach mit ihr deutsch, russisch, aber sie sah mich nur traurig an. Der Tierarzt kam noch mal für einen letzten Versuch, wo er versuchte von hinten an den Mageninhalt zu kommen, aber vergeblich. Ich konnte es nicht fassen, Oma schluchzte, alle waren deprimiert und wir tranken Wodka. Ich bin dann noch ein par Mal in den Stall um mit das Malheur zu besehen. Am Abend dann mit Taschenlampe ertönte mein Freudenschrei. Die Kuh stand und der ganze Stall war so was von vollgeschxxxen, das war utopisch. Oma macht schnell sauber, Malischka bekam jede Menge Stroh und Heu und wir waren rundherum glücklich, wie schon lange nicht mehr!   

                                                           

Autor: hladam -- 16.6.2006 21:41:03

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