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Februar 2010 - lindebox.de

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Februar 2010

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Viele Menschen, das kann bedeuten, viele Meinungen. Schimpfen, Meckern, Maulen bringt nichts, - man steigert sich nur in eine hilflose Wut hinein, wird unter Umständen nur zum Gespött und das wollen wir doch nach Möglichkeit vermeiden.
Über Eines sollten wir uns einig werden, ob es hier um die Sichtweise ICH oder WIR geht. Ein Einzelner, der nur an sich denkt, der findet oft eher Möglichkeiten sich Vorteile zu verschaffen. Dieser so genannte Erfolgsmensch stellt sich bei Wartenden nicht hinten, sondern vorne an, kennt Jemanden, der Jemanden kennt. Ein Anderer geht den normalen, mühsamen, langsamen Weg und erreicht durch den Zeitverlust, durch seine Bescheidenheit meistens viel weniger.
Solche Dinge gab es zu allen Zeiten und auch die eigene Bewertung darüber fällt unterschiedlich aus. Fakt ist aber, dass es nicht Jedem gelingen kann schneller vorwärts zu kommen.
In dem von uns erlebten Sozialismus wurde das nicht selten mit einem Augenzwinkern abgetan. Bei Angehörigen von Prominenten, bei nicht knauserigen kleinen bis großen Geschenken an Entscheider, wurde mit netten Worten, mit versteckten Drohungen das eigene Weiterkommen bestens organisiert. Das hat nur selten Jemand offen zugegeben, war aber die gängige Praxis und Gesprächsstoff im Heer der Unzufriedenen. Es wurde zu sehr auf die Reaktionen der Unzufriedenen geschaut, beobachtet, registriert, anstatt die Wurzel der Unzufriedenheit frei zu legen. Das Selbstverständnis ohne eigene Überzeugung und die Überheblichkeit von Überzeugten, mit den Mitteln der Macht Dinge zu regeln zu können, ohne zu überzeugen zu müssen, - das rächte sich nun zu unser Aller Nachteil. Allgemein wurden auch Vorteile geschaffen, wohlwollend geduldet, wenn sie auf besondere Leistungen beruhten. Zum Beispiel bekamen die Auslandsmonteure, wie Arbeiter der Gasleitungsbaustellen in der Sowjetunion, ihr Auto sofort, ohne 10 Jahre Wartezeit (natürlich nur einmal). Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten in der Sowjetunion, kam bei uns kaum Jemand auf die Idee seine Abzeichen für gute Arbeit, bis zum Karl Marx Orden, Held der Arbeit, sich am 1. Mai an die Jacke zu heften, obwohl er diese Auszeichnungen nicht geschenkt bekommen hatte. Der innerbetriebliche Druck auf die Beschäftigten, zur Demonstration zu gehen, reizte die Phantasie für Ausredensucher. Es wurde lieber der Kleingarten umgegraben, oder mit dem Nachbarn der 1. Mai gefeiert und wer erst noch zur Demo musste, der wurde ehrlich, bis hämisch bedauert.
Unzufriedenheit verbindet, schweißt zusammen, kann Veränderungen bewirken. Wenn der innere Druck in der Gesellschaft nicht kanalisiert werden kann, wenn die Umstände es erlauben, dann wendet sich die Gesellschaft.
Arbeits- und Lebensbedingungen verbessern ist ein hohes Ziel. Auf dem Weg dahin muss man Prioritäten setzen und Mängel offen diskutieren lassen. Mit gleichgeschalteten Medien nur die Erfolge bejubeln engt das Gesichtsfeld ein und verschärft die Gegensätze, bildet den Nährboden für jene Menschen, bei denen Freiheit nur das eigene egoistische Ziel ist.

Nun wurde vor mehr als 20 Jahren der Sozialismus weltweit beseitigt. In der Zwischenzeit bekamen Alteigentümer das Enteignete weitestgehend zurück, Volkseigenes wurde privatisiert und Staatliches wird kontinuierlich in private Hand verkauft. Arbeitsplätze millionenfach zerstört und aus der sozialistischen, fehlerhaften, Mangelwirtschaft wurden die Menschen gerechter Weise in ihre so gewollte egoistische Ellenbogengesellschaft geschupst, wo sie verdudst feststellen, dass sie fast nur noch als Verbraucher, als Konsument umworben werden. Den Begriff Freiheit haben die Strategen und Verfechter dieser kapitalistischen Gesellschaftsordnung anders definiert und offen gelassen, dass es die soziale Marktwirtschaft nur so lange geben konnte, wie ein konkurrierendes sozialistisches Gesellschaftssystem gegeben hat. Noch immer wird Überfluss im Warenangebot mit Überlegenheit des Systems, mit gesellschaftlichen Reichtum gleich gesetzt.
Das ist gleichbedeutender Unsinn wie immer wieder veränderten Zählmethoden für Arbeitslose, oder Sozial(un)fälle. Auch mit der bloßen Veränderungen von Gesetzen, oder deren Auslegung, ist keine Abhilfe zu schaffen.
*
Die Arbeitslosenzahlen steigen immer weiter. Die Zahl der Sozialleistungsempfänger, der Lohnaufstocker, Kinderarmut, die Penner, Schnorrer, Säufer, Drogenabhängige werden immer mehr und der Druck, immer mieser bezahlte Arbeit an zu nehmen, steigt auch. Eigentlich ein explosives Gemisch, aus dem revolutionäre Veränderungen erwachsen könnten, sogar müssten, - aber ein großer Teil der Bürger hat sich hoch verschuldet. Somit werden viele durch ihre Kredite diszipliniert.
Wer bei der Demo durch den Polizeiknüppel arbeitsunfähig wird, verliert alles, denn die Versteigerung entledigt ihn nicht seiner Schulden bei der Bank.
Die Banken haben sich weltweit auch verspekuliert, - aber das ist ein Thema, über das hier nicht weiter gesprochen werden muss. Nur so viel, dass es unfair gegenüber dem eigenen Volk ist Gewinne zu privatisieren und Verluste zu verstaatlichen, also den Bürgern auf zu bürgen.
Spätestens jetzt ist es jetzt an der Zeit vom ICH zum WIR zu kommen. Der Einzelne wird gebrochen, der Staat kaputtgespart, - es naht die Zeit, wo eine WENDE nötig wird. Dazu muss aber erst mal eine echte VOLKSPARTEI die Führung übernehmen. Eine Arbeiterklasse ist vorhanden, sie schafft auch die Werte, die dem Unternehmer Nutzen bringen, nur das ganze linke Parteienspektrum ist mit der Formulierung der WAHREN LEHRE beschäftigt und die verschiedenen linken Parteien und Gruppierungen bekommen gar nicht mit, dass die Arbeiter, soweit sie nicht korrumpiert wurden, mit dem Parteinkauderwelsch nichts anfangen können. Die Überzeugung, dass es in diesem kapitalistischen Gesellschaftssystem so wie bisher nicht mehr lange weiter gehen kann, - diese Überzeugung ist in fast allen Köpfen schon vorhanden. Nun muss dieser Gedanke umgesetzt werden, - aber hoffentlich nicht wieder von einem neuen Führer.



                                       kaufCD

                                                                   HELAU - ALAW - ihr NARREN !!!

                                  Im  Kapitalismus seine Stimme erheben, ist keine Kunst, weil die Stimme eines Einzelnen kaum zählt.

In der DDR wurde diesen Stimmen viel mehr Gewicht verliehen, weil sich westliche Medien genüsslich darauf stürzten und sofort begannen aus dem Kaffeesatz perspektivisch zu lesen. ;-)   

Politische Kabarettisten sind wie Druckminderer und werden gefeiert als große Errungenschaft der freiheitlichen Meinungsäußerung. Ein kleiner Scherz über die  FDP bezüglich der Mehrwertsteuererleichterung für Hotels  reitzt  zum Lachen, ist aber zum Heulen. Jeder in Deutschland weiß was hier läuft und was da alles passiert wird fleißig in Witzen verwurstet. Das dämpft den Unmut  in der Gesellschaft, warum also  nicht witzeln?  Alles wird  relativiert, wie Parteispenden, Klientelpolitik, Lobbyistenarbeit.

Damit wird die traurige Wahrheit  beklatscht und letztendlich akzeptiert.

Schöne Freiheit! ;-)




                                     leseengel


                                 gutenachtengel

                               bleibzuhause

                             

                              morgensfebr10

                             felixhoertsieht

                            holzholz

                           Ohne Holz hätte es eine Riesengasrechnung gegeben  !

                                                  *                                        *                                               *


            Ein par Worte zur Verständigung.
(Nach dem sich Wolf auf der -lindebox- umgesehen und sie freundlich bewertet hatte.)

Es ist kein Problem sich in jeder Lebenslage zu verständigen. Notwendigkeiten erkennt man ganz einfach, vergleicht man sich.
Mit den Jahren schwinden Körperkräfte und werden durch den Geist, der eigenen Erfahrung, sowie finanziellen Möglichkeiten, aufgefangen. Sicher entscheidet jeder Mensch für sich selber, was erreichbar, was besonders erstrebenswert, was wertvoll für ihn ist. Zuerst ist der Gedanke, das Gefühl, der Wunsch vorhanden. Antriebsfeder für jede Veränderung ist eine Unzufriedenheit, unüberwindbar scheint. Je öfter die Gedanken darum kreisen, das Interesse an der Problemlösung geweckt wurde, desto näher rückt der Zeitpunkt der Realisierung. Mal von unsinnigen Fantastereien abgesehen, ist es immer gut sein Ziel nie ganz aus den Augen zu verlieren. Je eher, gemeint sind die Lebensabschnitte, wir die Sache angehen, desto besser kann das Ergebnis werden.
Irgendwie komme ich mir immer vor, wie ein Wasserschöpfer, der Wasser mit einem Küchensieb in einen Eimer bekommen will. Was da verrinnt, davonläuft, das ist die Zeit. Wer genug Kraft (Geld) hat, der tunkt den Eimer ein und hat ihn gleich voll.
Schon in jungen Jahren sollte man beginnen, aber da fehlt es noch an Verständnis und Vorstellungskraft und die Schwerpunkte liegen wo anders. Oft fehlte Energie, die materielle Kraft, das Einteilen erlernt man erst später, - manch einer nie.


                           eisfront

                           ...... nur nichts investieren, werte Ladenbesitzer / Pächter, es könnte ja Geld kosten ....

                       * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Eine ganz große Nachricht vor rund 20 Jahren war der Anschluss des Territorium der ehemaligen DDR an die Bundesrepublik Deutschland.
(Ein Stück Vergangenheitsbewältigung im WILDEN OSTEN.)

Willi Brand sagte mal, dass jetzt wächst zusammen, was zusammengehört. Er hatte Recht, aber die Teilung Deutschlands wird allerdings erst in späteren Generationen völlig repariert sein. Damit es nicht in Vergessenheit gerät, uns mahnt und warnt, erzähle ich einen Schlag aus der Wendezeit. Ob es euch passt, oder nicht.
*
Ohne zu beschönigen zurückschauend, ist eindeutig festzustellen, dass mit der Wendezeit für Werbestrategen, Autoverkäufer, Versicherungs- Immobilien- und Vermögensberater und Verkäufer jeder Art, für die nächsten 8-10 Jahre wirklich goldene Zeiten angebrochen waren.
Die Nächsten, die sich vor Freude kaum noch einkriegen konnten, waren die Westdeutschen, die noch ein Erbteil im Osten zu schlummern hatten. Heute kommt es mir fast so vor, dass solch ein Goldbarren fast bei jedem 2. Altbundesbürger in der Schublade gelegen hat.
Unverhoffter Zugriff auf längst verloren geglaubtes Land, Grundstücke oder sogar Häuser, Burgen, Schlösser. Ob das die Jünger im Zeichen von Schwerter-zu-Pflugschaaren, die Aktivisten vom neuen Forum, von den runden Tischen, die angeblichen Helden der Freiheit, die Totengräber der DDR, inklusive Gorbatschow, so gewollt haben, - möchte ich ernsthaft bezweifeln. Ich betone nun, dass hier keine Schuldzuweisungen kommen!
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In dem einen Teil Deutschlands gab es eigenartiger weise Vollbeschäftigung, weshalb wohl die Produktivität so extrem niedrig war. Lebenshaltungskosten waren durch politische Entscheidungen auch extrem niedrig. Ob das nun richtig, oder falsch war, möchte ich mich nicht festlegen lassen, sondern nur sagen, TEUER, - DAS KANN JEDER!
Chemisch verseuchte Flächen, nicht nur um Bitterfeld, Grundwasserverseuchung durch Liegenschaften der Roten Armee, das war die Wirklichkeit um 1989.
Aber die DDR war trotzdem vergleichbar mit einem Boden, der fast unberührt war. Da konnte man, fast ohne Dünger, von den bunten Werbesendungen abgesehen, zeitweilig gewaltige Erträge erzielen.
(Genügend Mist lag dann später überall rum, den aber niemand unterbuddeln wollte.) An einigen Ausfallstrassen im östlichen Teil von Berlin standen Trabant, Moskwitsch, Skoda, zuhauf, im halb ausgeschlachtetem Zustand, mit zerschlagenen Scheiben, meist ohne Reifen, vollgepackt mit Mülltüten, Farbeimern und anderem Dreck am Straßenrand. Die Böschungen waren übersäht mit Fragmenten aus Wohnungseinrichtungen, Lumpen, Papierfetzen, Plaste und Gerätschaften unbestimmbarer Herkunft. Irgendetwas war mit den Wertevorstellungen der Neubundesbürger durcheinander gekommen. Die bislang öffentlichen, unbewachten Müllplätze quollen auch über, als dann die Kleintransporter bis Siebentonner LKW`s Westberliner Handwerkerfirmen ihren Sondermüll ankarrten und unbehelligt verschwanden.
Sein Auto bei einer Panne irgendwo stehen lassen war nicht ratsam, denn schon nach wenigen Stunden fehlten wichtige Teile wie Blinker, Scheinwerfer und es wurde in den nächsten Tagen der Rest sinnlos zerstört. Abschleppen lassen, war die einzigste Möglichkeit einem Totalverlust vorzubeugen. Handys gab es damals noch nicht, - da musste man schnell sein, oder der Schaden vervielfachte sich.
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Es stand kaum Polizei auf der Straße. Die Leute führen irrsinnig schnell und es gab viele Verkehrstote. In Kommentaren und Berichten schrieb man das den Ostlern zu, weil sie so schnelle Autos nicht gewohnt waren. Das handelte sich aber sicher mehr um Westberliner, zumindest in meiner Gegend. Die konnten auf einmal von ihrer Insel runter ins Umland. Stets gewohnt nur von einer Ampel zur nächsten zu düsen, konnten sie auf einmal richtig Gas geben und das endete, bei den noch nicht so gut in Stand gesetzten Straßen oft tödlich!
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Es dauerte leider Jahre, bis es den Neubundesbürgern richtig einleuchtete, dass im Leben, neben den gültigen Dokumenten, vor allem die eigene Unterschrift das WICHTIGSTE ist, was man hat.
Eine neue Erfahrung war es dann auch, dass nicht jeder im sauberen Anzug mit Schlips ein ehrenwertes Ziel, sondern auch windige Verträge abschließen wollte.
In der Regel waren die ehemaligen DDR-Bürger schuldenfrei, hatten sogar einen kleinen Betrag auf der Sparkasse und hatten nun ein gewaltiges Überangebot an Konsumgütern, dass zum Kauf reizte. Nicht wenige Ostler kauften ihren nächsten, immerhin ein West-Wagen, ruckzuck, wie einen Kasten Bier. Hauptsache der Lack war noch gut, bis dann die nächste technische Untersuchung zu teuren Unterbodenreparaturen zwang. Der Gebrauchtwagenmarkt brach sogar zeitweilig zusammen und Autos wurden direkt vor der Schrottpresse von den cleveren Zwischenhändlern gerettet um noch gute Erträge zu erzielen. Verwandte von mir konnten es nicht fassen noch den fünffach höheren Preis, als vermutet, für ihren alten Alfa zu bekommen.
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Durch einen Unfall musste auch ich mich leider um einen neuen fahrbaren Untersatz bemühen. Ein schicker gebrauchter Mercedes wurde mir direkt nach Hause, vor die Tür gestellt. Die Probefahrt war ein Erlebnis und der Preis schien dem gepflegten, neu lackierten Auto angemessen. Zum Glück erbat ich mir etwas Bedenkzeit. Mit sämtlichen Daten des Autos fragte ich bei mindestens 10 Händlern an, was sie mir für das 1a gepflegte, gute Stück zahlen würden. Das Ergebnis war niederschmetternd. Schweren Herzens gab ich das Prachtstück zurück, vernahm noch mit Erstaunen, wie der Preis blitzschnell abschmolz, dadurch hatte ich nun die Bestätigung, dass ich zu blöd war für den Gebrauchtwagenkauf. Deshalb kauften wir einen Jahreswagen, mit wenig Kilometer auf dem Tacho. Der war zwar auch um einiges teurer, aber da konnte man mich nicht so doll in die Pfanne hauen.
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Da sich in Ostdeutschland eine etwas anderer Sprache in den vergangenen 40 Jahren herausgebildet hatte, war es nur natürlich für Westfirmen, für die Akquise Einheimische zu benutzen. In den Zeitungsnotizen standen fantastische Angebote, wie gutes Geld, ganz leicht, zu verdienen ist. In der Zeit einer unfallbedingten Krankschreibung probierte ich, ganz unvoreingenommen, mehrere Inserate aus. Es ging um beratende Tätigkeit, für eine Organisation, die schon einen festen Kundenstamm hat. Erforderlich war wohlsittuiertes Auftreten und Durchsetzungsvermögen, um einen hohen Ertrag zu erreichen. Telefonischer Kontakt, Termin, Gespräch und man nahm mich freundlicher Weise gleich am nächsten Wochenende mit im Dienstwagen nach Braunschweig, in ein Best-Western-Hotel, wo ein 2 tägiges Seminar stattfand. Dieser Unterricht machte die mindestens 100 Teilnehmer mit dem tollen Produkt bekannt, aber vor allem ging es um die vielen Möglichkeiten, an potenzielle Kunden zu kommen, um schlagende Argumente und die rosigen Zeiten, die nun im finanziellen Überfluss anbrechen würden. Die Lektoren gaben sich volkstümlich, burschikos bis kameradschaftlich, hatten durchweg einen leicht bayrischen Akzent und einer sah seine Rolle wahrscheinlich wie ein deftiges Bühnenstück, in einem Bauerntheater. Alle Lektoren machten mir viel Spaß, waren unnachahmlich. Schon nach der ersten Lektion hatte ich begriffen, dass ich hier im falschen Film war. Alle Besucher waren Ostler. Darunter einige bestellte Plauderer, die die gute Stimmung noch verstärkten, genau die richtigen (unwichtigen) Fragen stellten. In unserer Runde war der Querschnitt von allen Typen, die es im Osten so gab. Jung und alt, gepflegt, dezent, bis versoffen und vorlaut, - alles, was in erster Linie zählte, war der Neuanfang mit diesen gigantischen Möglichkeiten. Schau ich heute auf dem Arbeitsamt, oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln um mich, dann sehe ich in vielen Gesichtern metallische Fremdkörper, Tattoos sogar auf kahl rasierten Köpfen und ich kann es kaum glauben, dass es dieselben Menschen, bzw. Deren Kinder sind, die sich da zum Affen machen.
Zurück zum Seminar.
Es herrschte Aufbruchstimmung, - am besten gleich morgen kündigen und voll bei der Hamburg-Mannheimer einsteigen, um richtig gutes Geld zu verdienen, mit dieser klasse Vermögensberatung. Von der eigenen Familie bis zum Entferntesten Bekannten die zwingende Logik ausbreiten und alle werden superreiche Leute und man selber bestens abgesichert, ein Leben lang. Nach der 3. Pause, mit Kaffee ohne Ende, noch vor dem Mittagsessen lichteten sich etwas die Bankreihen und der Lektor begrüßte und beglückwünschte uns für den Entschluss nun endlich doch reich zu werden. Die Leute, die uns schon verlassen haben, die hätten es ohnehin nie geschafft. Wir also waren die Auserwählten, wir wissen dann auch wohin mit dem vielen Geld, wie man es besonders günstig anlegt. Am 2. Tag wurden noch einige Fragen beantwortet und es ging wieder in Richtung Heimat. Jetzt mussten die Weichen gestellt werden für das Glück und die Zukunft.
Ich legte die Minikassetten ordentlich beiseite, die ich hatte mitlaufen lassen und beschäftigte mich mit weiteren Annoncen. Ich werde mich hüten Verwandtschaft und Bekanntschaft Spar- und vermögensbildende Modelle aufzuschwatzen und die gegenwärtige weltweite Finanzkrise gibt mir im Nachhinein Recht. Ob gewollt, oder ungewollt, ich wollte kein schlipstragender Betrüger werden, - somit ließ ich diese Stufe auf meiner wackligen Karriereleiter aus. Immerhin hatte ich schon ein Alter erreicht, wo man Risiko reiche Versuche besser sein lässt.
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Dann war da noch das universell einsetzbare Haushaltsgerät, für das ich mich probehalber mal einsetzte. Es wurde in einem Wochenseminar den gut 20 Teilnehmern nahe gebracht. Ein erstaunliches Gerät, sehr stark, sehr vielseitig, ein Staubsauger aus den USA, den ich mir dann später mal über Ebay gebraucht kaufte, mit allen Zusatzteilen, ohne gleich über 2000 D-Mark zu blechen. Interessant ist wahrscheinlich nur, dass dieses Gerät von unseren Altbundis als Dinosaurier unter den Staubsaugern eingeschätzt wird. Ich allerdings bin von der enormen Saugkraft und weiteren Fähigkeiten voll überzeugt und möchte ihn nicht missen.
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Sollte ich noch einige Worte über AMC- Kochtöpfe verlieren? Bekannte von mir faseln immer wieder mal von irgendwelchen Vorführungen zu Hause. Da geht es immer noch um Töpfe, Pfannen, Versicherungen, Wasserfilter, Hundefutter, Wein, Nahrungsergänzungsmittel und das angeblich mühelose zweite Standbein, welches sich ein Bekannter, oder Bekannte schaffen möchte.
Ich glaube das reicht, was ich euch hier dargeboten habe und wird, wenn überhaupt, nur in 20 Jahren für Geschichtsforscher interessant sein.
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Damals, wie heute hatten nur die Leute eine gute Change, die mit guter Ausbildung in alteingesessenen Firmen reinkamen. Gute Handwerker aus dem Osten verdrängten immerhin türkischstämmige Bürger, Bau- und Abrissfirmen beschäftigen, in Einzelfällen, ihre Ostkollegen sogar bis heute, wenn auch mit Lohneinschränkungen und Kurzarbeit im Winter. Wir bauen auf und reißen nieder - Arbeit gibt es immer wieder. Die Zielstrebigkeit und die Vielseitigkeit fast aller Ostler wurde zum Markenzeichen und schaffte unruhige Bedingungen bei Tarifverhandlungen. Der ganze Westen zeigte langsam Interesse an Arbeitskräfte aus Ostdeutschland. Später zahlte das Arbeitsamt sogar eine Umzugsprämie. Diese Entwicklung ist pervers, denn anstatt vor Ort Produkte her zu stellen, Arbeitsplätze zu schaffen, zu erhalten, wurden die Produkte umweltfeindlich, über weite Wege, herbeigekarrt. Käse aus Bayern, Fleisch, Bier und alles Mögliche aus den alten Bundesländern. Bei Straßenbau, Autobahnbau wurden erst viel später ostdeutsche Firmen beteiligt. Die Gelder der Hilfe-Ost floss somit lange wieder zurück in die Taschen von West-Unternehmen. Heute bin ich der Meinung, dass es im Bausektor mafiöse Verhältnisse gibt, - was ich aber nicht beweisen kann. Könnte ich es beweisen, ruhte ich schon lange unter dem Fundament einer Autobahnbrücke, - ..... Oder?
*
Kneift mich mal, damit ich merke, dass ich das alles nicht geträumt habe.

Autor: hladam -- 28.2.2010 21:58:54

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