Ob es noch Spuren gibt und Leute die sich an uns erinnern?
Bin wieder da, gelandet, zurück aus der Zukunft. Die Ukraine war diese Reise wert. Die Eindrücke sind nicht annähernd so schlecht ausgefallen, wie vermutet.
Gefährliche Momente gab es zuhauf, Radarrpistolen nur in Polen gefürchtet. Die ukrainische Polizei hatte uns Ausländer in Ruhe gelassen. Das war ganz offensichtlich „befohlen“ worden. Alles super, glücklich und kaputt von der Reise klappe ich den „Schlepptop“ auf und stecke die Telefonschnur ran und sehe nach E-Mails. Es sind in jeder Stadt viele Internetkaffees vorhanden. Eines haben wir uns angesehen und nach dem wir unsere Gründe dargelegt hatten, klappte sogar die Verbindung, für die eine Stunde waren umgerechnet 50 Cent zu bezahlen. Um uns waren nur ein par PCs besetzt, an denen Kriegsspiele liefen, oder Monster beseitigt wurden.

Kremenshug ist bunter und älter geworden. Reklametafeln, besonders in der Innenstadt, an den Magistralen, kann nicht die Baufälligkeit der Häuser und Strassen überdecken. Nach wie vor ist es ratsam mit einem tiefen Schlagloch, oder fehlendem Gullydeckel auf der Strasse, oder dem Gehweg zu rechnen, was für uns Reisende katastrophale Folgen gehabt hätte. Auf den ersten Blick fällt die Vielzahl der Geschäfte auf. Man hat den Eindruck, dass es nun alles zu kaufen gibt. (Außer Ansichtskarten!) Ein wohltuender Kontrast zu damals, als Massen von Leute nach Lebensmittel anstanden. Es gibt Bananen und andere Südfrüchte, nur, z. B. mal keine Mohrrüben.

Die gesellschaftlichen Veränderungen sind für die „einfachen Leute“ dramatisch. Die Vielfalt von Produkten ist für jeden erreichbar, wenn er sein Geld entsprechend einteilt. Als Ausländer war ich damals, als ich dort arbeitete und heute immer noch willkommen. Der Sprache mächtig und via Post, Internet und Telefon, war ich ja immer bei den Bekannten und den Freunden. Am Telefon vom Alltag zu hören, oder es selber sehen, das ist ein großer Unterschied.
Ich schließe die Augen und die Bilder kommen wieder von der Einreise bis zur Ausreise. Ein Mazda 323 ca. 10 Jahre alt war unser Transportmittel. Voll getankt und drei mal nachgetankt und schon nach 1800 km, in Kremenshug. Das ist die Stadt, wo ich vor vielen Jahren an einem Jugendobjekt (was für ein Wort heute !!!) als Schweißerhelfer, Kranfahrer und Kraftfahrer tätig war. Diese Arbeit erfüllt noch heute wirtschaftlichen Zweck, Gas nach Europa durch eine Rohrleitung zu pumpen.
Was nehmen wir mit, was ist notwendig, was nicht? Schwere Entscheidungen, aber nötig, weil der Platz begrenzt ist. Der Laptop muss mit, die Camera, viele Akkus, Ladegeräte und die Videokamera, bisschen Geld für Benzin und ein paar Geschenke für die Leute die wir besuchen wollen. In Kremenshug gibt es fast alles zu kaufen, was uns heute wichtig erscheint. Geld ist alles, was benötigt wird. Zwischen zu Hause und dem Reiseziel liegen ca. 1600 km.

Dieses Mal sollte es nicht so kompliziert werden, denn Einreiseerleichterungen für EU- Bürger bis zum 01.09.05 waren propagiert worden. Die 750 km Fahrt durch Polen war wie immer gut zu bewältigen, denn die Straßen und das Tankstellennetz sind ausreichend bis sehr gut. Auf früheren Fahrten bemerkten wir, dass in der Ukraine viel gebaut wurde, an den Straßen.

Aber in den letzten 20 Jahren hat sich, bis auf die Straßen um Kiew, oder anderen Großstädten, wenig verbessert. Der enorm gestiegene starke Lastwagenverkehr hat vielleicht auch schon einiges wieder ruiniert. Nach 5 Stunden Wartezeit an der Polnisch-Ukrainischen-Grenze war uns klar, dass wir einer Fehlinformation (Einreiseerleichterung) aufgesessen sind. Zum Grenzübertritt reichte der Eu-Pass, die Abfertigung selber unterschied sich wenig von der, vor einigen Jahrzehnten. Leider entdeckte ein Zöllner meine beiden Hunde.

Der Tierarzt war offensichtlich nicht vor Ort, aber nach einiger Suche doch ausfindig gemacht, bzw. von seinen Kollegen wach gerüttelt. Der letzte Stempel drauf und es öffnete sich der Schlagbaum ins „orangene Land“. Die nächsten fast 700 km breite, endlos bis zum Horizont, sehr bucklige Straßen. Gegenüber Polen, ist es hier fast unmöglich, am Steuer ein zu schlafen. Die vielen Unebenheiten, Schlaglöcher und die fehlenden Hinweisschilder erfordern viel Konzentration.

Die Dörfer genau so wie ich sie in der Erinnerung habe. Vorwiegend mit Wellasbesttafeln gedeckte Häuser, selten mit Dachrinne. Ein Bretterzaun der das jeweilige Anwesen zur Straße abgrenzt. Die Dachkanten mit Blech überlappt und total verrostet. Alles wie früher, nur schon etwas mehr mitgenommen. Die Leute recht ordentlich gekleidet und die im Arbeitsdress etwas „nachlässiger“ angezogen. Die Gesichter Wind und Wetter „gegerbt“, freundlich bis gelangweilt. Die jungen Mädchen hübsch, schlank, immer sehr schick gekleidet, wie schon damals, als mir meine heutige Frau (Gott sei Dank) begegnete.

Obwohl wir uns beim Fahren ablösten, erschien es uns ratsam für ein par Stunden ein Motelzimmer zu nehmen um die Anstrengungen nicht nur mit Kaffee zu kompensieren. Für 60 Griven (fast 10 €uro) legten wir uns zur Ruhe und anschließend verlief die Fahrt wesendlich entspannter. Die abenteuerlichen Überholmanöver durch größere ausländische Geländerwagen haben wir schnell gelernt und kopiert. Das Wetter war bis kurz vor Kremenshug regnerisch. Das feuchte Wetter war für unser Auto natürlich besser als Hitze. Eine größere Wasserlache bedeutet stets, das ein Schlagloch von unbekannter Dimension lauert. Nur wenn vor uns ein Wagen durchfuhr, konnte man riskieren hinterher zu fahren.

Das Wasser spritzte einige Meter seitlich und nicht selten bis zur Windschutzscheibe. Ein gewisses Gefühl für gefährliche Momente und die angepasste Geschwindigkeit, gepaart mit etwas Glück, gehört zum Autofahren, in dieser Region, dazu. Auf keinen Fall darf man sich provoziert fühlen, wenn jemand überholt und sich dann in einer Schlange vor uns einreiht, wegen dem starken Gegenverkehr. Der Sicherheitsabstand, den wir ließen, verleitete die „neuen Ukrainer“ immer wieder sich rein zu drängeln, mit ihren BMWs und Mercedes.

Mit Erstaunen konnte ich wahrnehmen, dass es noch sehr viele Schigulis, Mosquitsch, Wolgas und Zaporosches gibt. Der Anteil der importierten Westwagen ist flüchtig betrachtet weniger als 30%. Geländewagen aller westlichen Firmen, mit Klimaanlage, stark getönten Scheiben und „fest eingebauter Vorfahrt“, sind der absolute Renner für die „Neuen Ukrainer“. Die Fahrweise ist der „Neuen Freiheit“ angepasst.
Was ist dran an der „orangenen Revolution“? Diese Frage kann ich nicht endgültig beurteilen, weil ich keinen Gesprächspartner fand, der es mir erklären konnte. Die beiden Kontrahenten Juschtschenko und Janukowitsch haben beide die Wahlen versucht zu gewinnen. Beide haben Stimmen gekauft, in denen sie den einzelnen Wählern Geld in die Hände legten, was bei älteren Leuten ein wichtiges Argument darstellt. Versprechungen wurden gemacht und sogar eingehalten, wie z. B. Renten zum Teil um 100% erhöht, so dass umgerechnet die Mindestrente um 50 €uro liegt. Was Propaganda, was Wahrheit ist, dass wage ich nicht zu bewerten.

Für mich zählte nur, was ich sehen konnte. Die Preise von Lebensmitteln ist der jeweiligen Qualität angepasst. Wer wenig ausgeben kann braucht also nicht zu hungern. Mit der Erhöhung stiegen aber auch die Preise für Strom, Wasser usw.. Autos und hochwertige Industriegüter kann man auf Kredit kaufen, wenn man (wie bei uns) „kreditwürdig“ ist. Durch meine jahrelange Abwesenheit, bestand bei sehr vielen Bekannten der Bedarf zum „feucht-fröhlichen Feiern“. Meine Leberwerte werden sich in den nächsten Wochen „auspegeln“. Da meine Frau auch Auto fährt, konnte ich mich den „Herausforderungen“ tapfer stellen.

Gesprächsthema war eigentlich immer die Lebenshaltungskosten im Vergleich zur BRD und ob ein anderer Bundeskanzler etwas anderes machen kann. Dann waren die gesundheitlichen Probleme, die berufliche Entwicklung der Kinder und zuletzt die Kindeskinder dran.
Beinahe hätte ich meine vielen Fragen an die richtige Adressen stellen können. Ein Ehepaar mittleren Jahrgangs (so um die 40) lernten wir kennen, die bekennende „orangene Revolutionäre“ sein sollten. Leider klingelte laufend sein Handy und er lief ständig weg.

Seine nette Frau hat uns über ihre Aktivitäten im Geschäft mit Blumen aufgeklärt und dass sie nun eine Sauna aufmachen wollen usw., dass innerhalb kürzester Zeit in der Ukraine 18ooo Natschalniks ihrer Posten enthoben wurden. Das Preissteigerungen nicht zu umgehen sind usw., usw. …. So richtig Bescheid wusste sie leider auch nicht, außer dass jetzt alles viel schöner und freier geworden ist. Damit war mein Bild noch immer etwas „unscharf“ und nach der nächsten Flasche immer „unklarer“, was hier wirklich läuft. Eines war aber absolut klar, dass die „einfachen Leute“ etwas schockiert sind über ihre Parlamentarier. Ein 600`ter Mercedes, da reicht ein ukrainisches Menschenleben nicht aus ihn ab zu bezahlen, reicht den Volksvertretern nicht. Es muss nun beim Premierminister ein Maybach, als Sonderanfertigung für mehr als 750ooo USD sein. Na ja, ich kann und will mich nicht festlegen, was Propaganda ist und was nicht.
Nach dem ich meine Zähne habe in Stand setzen lassen, Einkaufstouren erledigt waren und es wieder an fing zu regnen, wollte ich mal nachsehen, wo das deutsche Lager stand und was die Kompressorstation macht. Zunächst war der Platz nicht zu finden. Eine alte Frau vom Dorf Pischanje erklärte mir den Weg und dann war es ganz einfach. Die Zufahrtstrasse unterscheidet sich von den anderen Strassen. Auf dem Territorium hat sich eine Firma angesiedelt, die Traktoren und Erntemaschinen in teilweise sehr desolatem Zustand standen verteilt. Der Zugang wurde uns natürlich verwehrt, als ich nach der dritten Frage, ob wir uns mal umsehen dürfen, nur mit stereotypen Gegenfrage „was ist?“, mit der Gegenfrage kamen, ob hier keiner russisch versteht. Vom Nachbargelände aus, da war der Pförtner netter, betrachteten wir nun das Gelände, wo es ja nixs mehr gibt, an das man sich erinnern könnte. Alles auf Video aufgezeichnet machten wir kehrt nach Pishanje.

Ein eigenartiges Gefühl beschlich mich, als ich den Weg zur Verdichterstation entlang fuhr. Links davor waren Reserverohre gestapelt und ein Wächter in Uniform fragte nach unserem Begehr. Das war schnell gesagt und zu unserer Überraschung war der unglaublich große Wachmann sehr beeindruckt einen Deutschen zu treffen, der hier mal mit gebaut hat, zu einer Zeit, als er selber (als kleiner Junge) sich noch über die geschenkten Kaugummis, von den Bauleuten, freute. Lange Rede kurzer Sinn,- er machte das Tor auf und wir fuhren rein. Eine Komatsu (Rohrlegekran auf Ketten) stand seitlich, dann ein Faun (LKW zum Rohrtransport), jede Menge russische Technik, ein tolles (schönes) Verwaltungsgebäude (wie eine große Villa), mehrere Auffahrten für PKW und LKW (wo man unterm Fahrzeug arbeiten kann) und dann kam „der Hammer“.

Das Tor zur „verbotenen Zone“, wo die Verdichter, Gaskühler, Verteiler stehen, stand offen und wir mit laufender Kamera durch. Schuld war sicher der strömende Regen, weshalb es nicht gleich geschlossen wurde. Das laute Tosen der Verdichter hörte ich nun zum ersten Male und die vielen Hinweisschilder auf Explosionsgefahr machten unsere Exkursion immer spannender. Ich erinnerte mich, dass es Sonderbestimmungen für die Fahrzeuge gab, die sich dort bewegen durften. Mein Mazda, war sicher nicht geeignet, aber, wann würde ich wohl wieder diese Gelegenheit bekommen? Kurz gesagt,- es war „umwerfend“ und für den Wachmann sicher eine Überschreitung seiner Kompetenz,- aber es war „GEIL“!
Ein par Kollegen bekommen 100%`tig eine DVD vom Video, was wir dort gedreht haben. Ich habe es nicht bereut nach so vielen Jahren Kremenshug besucht zu haben. Wer weiss, ob ich es überhaupt noch mal sehen kann.
Anderen Tages sahen wir uns dass so genannte „Zarendorf“ mitten in Kremenshug an. Umgeben von 3m hoher Mauer, bewacht und für ungeladene Gäste nicht zu betreten, konnten wir durch Lücken Häuser sehen, die sogar in unseren Breiten selten an zu treffen sind. Dort wohnen unsere Millionäre und Dollarmilliardäre, wurde mir versichert. Die Rollen sind verteilt, die Armen und die Reichen, die Einen im Luxus, die Anderen gehen auf das Siedlungsklo (ein Loch im Fußboden,- wo es besser ist den Hintern schnell weg zu nehmen, bevor es zurück platscht.). So pessimistisch möchte ich nicht schließen, sondern auf die Möglichkeit einer weiteren Revolution hinweisen, wo das Volk wieder an die Macht kommen kann.

Immerhin durfte die große Leninstatue nicht entfernt werden (Bürgerwille !!!). Vielleicht erinnert sich das Volk an die eigene Kraft, die alles verändern kann. ( „Besser währe es!“ Ich denke, dass dort nicht nur die USA ihr Spiel treibt. Die „orange Revolution" wurde auch von Westdeutschland und der EU finanziert und gesteuert.

Westdeutsche Politiker haben dort zuhauf das Volk aufgehetzt! Wie vorher die sog. Rosenrevolution gegen Schewardnadse in Georgien. ) Nun reicht es,- ich komme zum Schluss. Ein schöner Urlaub ist vorbei und der ukrainische Zöllner vermutet, genau, wie ich, dass am 01.09.05 der Versuch der „Freizügigkeit“ endet. (Der Einnahmeverlust der Miliz, der örtlichen Pass- und Visastellen ist enorm.)

Nun im Detail:
Mit dem Auto bin ich zum letzten Male gefahren, das habe ich mir fest vorgenommen. Auf der Hinfahrt, tagsüber durch Polen, war nur Warschau der einzigste Stolperstein. Wir fanden nicht sofort die richtige Richtung (Odessa, oder Chelm), weil die sonst häufigen Hinweisschilder EU-Strasse Nr. X, oder andere Bezeichnungen in der Stadt sehr sparsam verwendet wurden. Wir schafften es noch am Tage die Richtung nach Jagodin zu finden und waren dann am 06.06. um 23:35 Uhr an der Grenze zur Ukraine.

Der polnische Grenzer winkte uns an der Schlange vorbei zur Abfertigung, weil wir aus der EU waren. An der Schlange zur ukrainischen Grenzabfertigung war erst mal Schluss. Links PKW`s, rechts LKW`s und eine Menge Leute, die ständig hin und her liefen. Wir stellten fest, dass sie sich mit einem LKW-Fahrer einigten, der dann stehen blieb, so dass dann eine größere Lücke entstand, in die dann mindestens 10 bis 12 PKW`s reinhuschten und in eine vorbereitete PKW-Lücke schlüpften. Mit lautem Gehupe fuhr er dann los und scheuchte die letzten par PKW`s in die linke Schlange, wo dann einige PKW`s notgedrungen zusammenrücken mussten. Dieses unfaire Spielchen wurde zwei mal durchgezogen und schon waren wir mindestens 20 Plätze zurück gefallen. Es dauerte 5 ½ Stunden bis wir dann durch waren. Außer ukrainische Fahrzeuge keine weiteren Ausländer zu sehen gewesen.

Nun war die Nacht schon fast vorbei, die Strasse großzügig breit und äußert uneben und noch gut 500 Km bis Kiew. Die nächsten 300 Km ging durch Wälder und Unland. Hin und wieder mal ein Dorf, wo wir die Geschwindigkeit stes bei behielten. Wir fuhren ca. 130 bis 160 Km/h, nur bei ganz schlechten Straßenabschnitten 120Km/h. Da wurden wir aber hin und wieder von Geländewagen westlicher Herkunft, mit ukrainischem Nummernschild, noch überholt. Die Scheiben ganz dunkel getönt und die Fahrer, so weit man es erkennen konnte so um die 40 Jahre alt, meistens allein im Wagen. Eigentlich wollten wir in der nächsten großen Stadt in ein Motel übernachten, aber es kam keins.

Erst nach weiteren 200 Km nutzten wir die Chance. Tankstellen wurden immer häufiger, so genannte Bar`s mit Parkplatz sahen wir immer öfter. Valentina blieb mit den beiden Hunden im Auto und mein Sohn und ich nahmen ein Zimmer für 60 Griven. Nach 4 ½ Stunden wurde ich wach und dann setzten wir dir Fahrt fort. Nun erreichten wir Kiew und mussten wieder die Strasse Richtung Tscherkassi finden. Als auch das erledigt war, gab ich richtig Gas und am späten Nachmittag erreichten wir Pishanje, das Dorf vor Kremenshug. Mit lautem Hubkonzert bogen wir in die Strasse Avtosawodskaja ein und unsere Gastgeberin Galina Andrejevna Smolska und die Nachbarn begrüßten uns mit noch lauterem Hallo. Auto leer gemacht und beim Nachbarn abgestellt und schon saßen wir in Galinas Küche, Essen, Trinken und Quatschen, bis es Nacht wurde.

Schön ausschlafen und erste Rundgänge bei strahlendem Sonnenschein mit den Hunden durch die Siedlung. Fast auf jedem Grundstück gibt es einen Hund, mal groß, mal klein, meist an einer Kette. Meine Hunde natürlich an je einer Aufrollleine schnupperten fleißig, setzten ihre Marken und bellten selber so gut wie gar nicht, was mich irgendwie vermuten lässt, dass es vielleicht auch eine ausländische Hundesprache gibt? Dieses Verhalten behielten sie die ganze Zeit über bei. Für die Siedlung war es sicher eine schlimme Zeit. Durch meine Schichtarbeit bin ich es gewohnt sehr früh auf zu stehen, was ich auch im Urlaub beibehielt und manchmal schon um 3:30 aber spätestens 5:00 Uhr mit den Hunden durch die Siedlung spazierte.

Das wiederum erzeugte ein mächtiges Gekläffe, Geheule, Kettenrasseln, klappernde Bleche, Zäune und ständiges Zurückbellen innerhalb der Straßenzüge und Viertel. Aber was sollte ich machen? Schließlich müssen auch sie „Austreten“ gehen. Tarzan und Teresa blieben stumm, so dass bei mir der Eindruck entstand, dass sie ein leicht „arrogantes“ Verhalten an den Tag legten. Während der Autofahrt blickten sie nur „gelangweilt“ aus dem Fenster oder schienen in einen „Dauerschlaf“ gefallen zu sein. Richtig lebendig wurden sie immer, wenn wir in einem Waldweg rein fuhren, um Pause zu machen.
Die ersten Tage in Kremenshug waren geprägt durch Besuche machen, Besuche empfangen und reichlich Votka und Bier trinken. Entweder Bankett bei Galina, oder Bankett bei Freunden. Es sind so viele Tränen der Rührung bei den Frauen geflossen, - fast so viel wie beim Abschied am letzten Tag. Ich wurde aufgeklärt über die gängigen Votkasorten, was gut und was sogar gesundheitsgefährlich ist. Ich konnte es selber kaum glauben, aber „ruck zuck“ hatten wir immer wieder eine Flasche, manchmal 2 Flaschen „weggeschlabbert“ und uns in den Gedanken von „Damals“ total verheddert. Am nächsten Morgen merkte ich nur, wenn ich so früh spazieren ging, wie der Alkohol manchmal noch nachwirkte. Das ist in sofern erwähnenswert, weil ich zu Hause nur selten Hochprozentiges zu mir nehme.

Dann begann der Einkaufsbummel. Mein Sohn interessierte sich für DVD`s mit Filmen, wie „Sahara“ usw, Computerprogrammen, Silberketten, Anhänger und Ringe. Meine Frau fand Gefallen an mehreren Springbrunnen, Schmuck in allen Variationen und modischem Schuhwerk. Ich wurde mehrfach eingekleidet, kaufte einige PC-Spiele, die bei uns verboten (und somit teuer) sind.
Dann war es endlich so weit. Das Wetter mies und regnerisch, brachen wir endlich auf, die Spuren zu suchen, die wir vor gut 30 Jahren hinterlassen haben. An dem großen Ehrenmahl für die Opfer des großen Vaterländischen Krieges waren wir nun schon oft vorbei gefahren. Gerade über steht das so genannte deutsche Haus. Die Kacheln (Spaltklinker) sind zu 70 % abgefallen, bzw. abgeschlagen worden. Eingangstüren auf der Rückseite sind aus Stahlblech mit Nummernschloss. Auf der Vorderseite befinden sich mehrere Geschäfte im Erdgeschoss. Das Haus macht, wie alle anderen Gebäude dort, keinen guten Eindruck.

Der Brunnen auf dem Platz davor war abgeschaltet und ein Stück weiter Richtung Hauptstrasse befindet sich ein großes Loch auf dem Betumenweg. Mit diesen Eindrücken, die wir mit der Vidiocamera festhielten, fuhren wir Richtung Pishanje . . . . . , was ich schon eingangs beschrieben habe.
Zurück bei Galina sahen wir uns den Film auf dem Fernseher an. Die nächsten Tage fuhren wir zu den verschiedenen Basaren, Souvenirgeschäfte und feierten den Abschied. Die Verwandten von Galina kamen zu Besuch und in der Nachbarschaft wurde uns zu ehren mit uns gefeiert, getrunken, politische Gespräche geführt und Erinnerungen aufgefrischt.

Die gekaufen Dinge waren schon so zahlreich, dass Bedenken kamen, ob wir alles gut nach Hause bekommen. Das Geld wurde langsam knapp. Ich hatte mir eine neue Zahnbrücke einsetzen lassen für 850 Griven und es reichte mir langsam. Alle verfügbaren Biersorten hatten wir durch. Die Wotkaflaschen, die mir geschenkt wurden stapelten sich und einige Geschenke würden wir bei Galina zurück lassen müssen.
Ich besuchte noch mal den Njeperstrand, fuhr über die Njeperbrücke nach Krukow und gab es auf Glinz und den Kamelhöcker zu suchen. Ich hatte Wassily Strelschik den damaligen Kontrolleur von „Intergasstroi“ nicht gefunden. Ich hatte den Eindruck, dass nicht noch mehr erreicht werden kann. Die Vorbereitungen zur Abreise ging schnell.

Volltanken, verabschieden und früh morgens losfahren. Zurück bis Kiew keine Probleme, so dachten wir, aber eine Umleitung zwang uns über Swertlowodsk (bis zum Staudamm) zu fahren. Das Wetter war wechselhaft. Die Abfertigung an der ukrainisch polnischen Grenze, in Jahodin dauerte eine Stunde, dann fuhren wir erleichtert auf polnischen Strassen, die weniger gefährlicher waren. Da wir gewarnt wurden kamen wir unbehelligt an drei Geschwindigkeitskontrollpunkten der Miliz vorbei. Warschau noch bei Tage passiert, schaffte ich es noch bis ein gutes Stück nach Konin. Von Mitternacht bis ca. 3:00 Uhr machten wir im Auto Pause. Als dann der Morgen dämmerte fuhren wir weiter auf einer Autobahn und mussten drei mal Maut (11 Zlotti) bezahlen. Gegen Mittag passierten wir Frankfurt/Oder und dann kauften wir in unserem Ort etwas ein und waren glücklich zu Hause gelandet.




Autor: hladam -- 23.2.2008 13:24:05
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