Die DDR, eine vertraute Umgebung

Die DDR aus meiner ganz persönlichen Sicht und Erfahrung, mal ohne Schmus und Schönfärberei (geschrieben gut 15 Jahre nach dem Untergang).
Nicht umsonst sagt man . . . . hinterher ist man immer schlauer . . ., aber aus den von mir gemachten Erfahrungen, möchte ich ein Bild zeichnen, von einem Staat auf deutschem Boden, der seit seiner Geburt weltweit immer argwöhnisch beobachtet wurde und bei Fehlern mit viel Geschrei moralisch abgeurteilt wurde. Mein Geburtsjahr ist 1947, da war das 1000`jährige Reich bereits zwei Jahre vorbei. Die Versorgung der Bevölkerung war nicht gerade berauschend, aber mit Hamsterfahrten, Tauschgeschäften, irgendwie zu schaffen. Mein Vater hatte sich aus Griechenland durch eine Fügung des Schicksals rechtzeitig im Jahr 1945 von der Truppe entfernt und ist dann weite Strecken zu Fuß in Richtung Heimat. In Zivilklamotten, im mitgeführten Bündel eine Pistole 08, mit dem Ziel nach Hause zu kommen, schaffte er es unter großen Gefahren die Heimat wieder zu sehen. In einer regulären Einheit hatte er in Griechenland gekämpft und wurde dann in eine stark geschwächte SS-Einheit übernommen, wobei er kluger Weise auf die Tätowierung der Blutgruppe (wie das so üblich war bei der SS) verzichtete. Das hat ihm dann später das Leben gerettet. Als Mitglied der Eliteeinheit war er dann mit der Partisanenjagd beschäftigt, hat sich vor allem mit Organisieren von Wein und anderen Alkoholika beschäftigt, - so zu sagen fleißig requiriert, für sich und sein Trupp. So, wie ich es hier erzähle, mag es schockierend wirken, aber ich gebe nur wieder, was er mir in beschwipsten, beschwingten Zustand, von ihm erfahren habe (da war ich ca. 13 Jahre). Das hatte sich bei mir festgesetzt und ich konnte es natürlich niemanden erzählen. Der Linde hatte es tatsächlich geschafft. Zu Hause angekommen, dauerte es nicht lange, bis jemand aus der Nachbarschaft, wahrscheinlich aus Neid, den örtlichen russischen Besatzern (man kann auch sagen Befreiern), Bescheid gab, dass einer heimgekehrt ist, der war bei der SS. Die Verhaftung erfolgte umgehend und in der örtlichen Kommandantur, wurde mein Vater in einem Keller bis zu seiner Erschießung, festgehalten.  Meine Mutter war nach der glücklichen Heimkehr ihres Mannes sehr erbost, dass nun für Vater, nach dem er sich durchgeschlagen hatte, alles aus sein sollte. Sie zog ihr schönstes Kleid an, suchte im Garten ein Körbchen Erdbeeren zusammen und ging zum sowjetischen Kommandant, dem sie mit heulen und Zähneklappern klar machte, dass Vater unschuldig und der beste Mann der Welt ist. Ihre Bemühung hatte Erfolg, die Erdbeeren schmeckten, Vater wurde nach besagter Tätowierung der SS untersucht und entlassen. Sie konnte ihn mit nach Hause nehmen und etwas später an meine Zeugung, mit hoffentlich viel Vergnügen, gehen. Das eigene Haus war wenig beschädigt. In der Nähe detonierte Bomben hatten seitlich ein paar Risse im Mauerwerk verursacht. Die Russen hatten die Eingangstür eingetreten, bei der Suche nach lohnenden Dingen, Mitbringseln. Radio, Uhren und Wäsche, Schmuck, Fahrräder, Motorräder und Frauen im gangbaren Alter. Es waren keine reguläre Kampftruppen, sondern marodierende Einheiten, die sich nicht nachvollziehbar einordnen ließen. Weil das betroffene Anwesen sich nicht wehren konnte, schlugen die Nachbarn Alarm. Auf am Strick aufgehängte Sitzbadewannen, u.a.m. wurde mit einem Holz getrommelt. Die nächsten Nachbarn setzten das Signal fort, bis es die Kommandantur erreichte. Die kamen im Jeep und verjagten die Marodeure, oder verhafteten sie. Deren Beute aber war trotzdem verloren. Mutter hatte nichts vergraben, sondern einfach im großen Waschzuber und anderen Wannen im Keller eingeweicht und nasse Dinge interessierte keinen. Dieser Zustand dauerte nicht sehr lange, dann begann eine schwere Zeit des Aufbaus und des Mangels an den verschiedensten Dingen, die zum Leben notwendig waren. Vater wurde Eisenbahner und klaute als Rangierer für sich und ihm Nahestehende, obwohl der Güterbahnhof noch einige Zeit von Russen bewacht wurde. Manche Wagons liess man extra hart auflaufen, damit man durch die Beschädigung an die Fracht gelangen konnte. Getreide, Sprit und Fette waren ständige Angriffsziele. Ohne diese Tauschwahren war ein Überleben kaum zu realisieren und die Besatzer machten nicht selten mit. Erst die deutsche Transportpolizei verschärfte, verhinderte solche Aktionen. Die DDR wurde gegründet und langsam normalisierte sich das Leben. Bis zum 13. August 1961 konnte man durch eine Ausweiskontrolle frei in den Westsektor fahren. Ich hatte einen Bruder, an den ich mich eigentlich gar nicht erinnere, außer, dass er nie Lust hatte sich mit mir zu beschäftigen. Der Altersunterschied von mehr als 10 Jahren war wohl daran schuld. Nach der Lehre hat er unser Elternhaus  verlassen und ist in Düsseldorf tödlich verunglückt. Sein Wunsch, mit seinen zwei Kumpel nach Amerika zu ziehen hatte sich somit nicht erfüllt. Somit war ich nun die große Hoffnung meiner Eltern. Ich schaffte die 10. Klasse, wurde Schlosser, heiratete, setzte zwei Kinder in die Welt und ließ mich scheiden. Die DDR war mir vertraut, war mir sympathisch und  ich vertraute den Zielen, dem friedlichen Aufbau. Vor der Grenzschließung bin ich so früh wie möglich ein Junger Pionier geworden, weil ich mit diesem Pionierausweis die Zonengrenze nach Berlin-West, allein überschreiten durfte. Ich fuhr mit einem Schulfreund nach West-Berlin und ging in Kinos, wo Filme für 1:1 mit Ostgeld liefen. In den Ferien ging ich oft arbeiten um mir Extrawünsche zu erfüllen, wie Blue Jeans, Kofferradio und Moped. Verwandte im Westen besuchte ich nicht, weil ich schnell merkte, dass man von denen nichts erwarten konnte. Von der Christlichen Jugendgruppe meines Wohnortes besuchte ich sogar ein Ferienlager der Pfadfinder im Glienicker Park in Westberlin bis zum 10.08.1961. Dann wurde die Mauer gebaut und in der DDR konnte sich die Wirtschaft entwickeln, das Leben wurde langsam leichter. Meine Eltern waren nicht gut zu sprechen auf die DDR-Führung. Mich interessierte die Politik überhaupt nicht. Erst der Blickwinkel vom Ausland aus, als Monteur einer Gastrasse veränderte mein Verständnis und ich begann ein zu sehen, wie gut das Leben in der DDR war, im Gegensatz zur Sowjetunion. Dieses Gefühl vermittelte ich meinen ehemaligen Schulfreunden und Bekannten, die sich meinen Argumenten nicht entzogen. Ich möchte nun niemanden mit den Vorteilen und Nachteilen der DDR kommen, die sind allgemein bekannt. Die DDR war mein Heimatland und ich bedaure, dass es so viele unfähige politische Leiter und schlechte Werksleiter gegeben hat. Mit dem Blick auf die heutigen Preise möchte ich nicht versäumen zu betonen, dass solche Steigerungen es nie gegeben hätte. Die ständigen Bemühungen um die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen, das Wohnungsbauprogramm als Teil einer anspruchsvollen Sozialpolitik war eine zu hohe finanzielle Last, die unter anderem das Ende der DDR einläutete. Mangelndes Verständnis und die Unwissenheit über die Mechanismen der Wirtschaft, obwohl sie propagiert wurden, leitete eine Fluchtwelle Richtung materiellem Vorteil ein. Die Flucht nach West war Vorteilssuche, welche als Freiheitsdrang und Wille zur Demokratie benannt wurde.  Das Ergebnis sehen wir und das Unheil am Horizont wird unvermeidbar.

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MarxKarl     

Was dem Volk gehört, gilt es zu bewahren, hat heute keine Gültigkeit mehr. Für fast umsonst an einen Investor schützt nicht vor Abriss. Nicht etwa wertlos, aber kein Gewinn zu machen. Deshalb weg damit . . . . .

     

Besser kann man Hohn und Spott über die DDR-Aufbauleistungen nicht ausdrücken.  Genau so entstehen volkswirtschaftliche Verluste, die finanzielle Hilfe unserer westdeutschen Landsleute als Vorschlaghammer und Wegbereitung für weitere verfehlte, nur auf Wachstum orientierte Politik.      

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