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Deutschland - im Laufe meiner Zeit -

Mit der Größe ändert sich der Blickwinkel. Mit den Erfahrungen wachsen die Ansprüche, verschieben sich Wertvorstellungen.

Deutschland  -  Vaterland

Als Nachkriegskind habe ich Schule, Beruf erlernen und Arbeiten in dem Teil von Deutschland absolviert, der im Einflussbereich der Sowjetunion lag. Die Versorgung der Bevölkerung war oft kritikwürdig. Manche Dinge wurden einfach im Westsektor von Berlin besorgt, zum Wechselkurs 5 bis 6 Ostmark zu 1`ner Westmark. Das war in erster Linie Kleidung und Schuhe, die modischer, praktischer, zweckmäßiger war. Die Lehrer erledigten den Bildungsauftrag ohne besondere Schnörkel. An Fahnenappell erinnere ich mich eigentlich nur zu besonderen Ehrentagen, oder Schulinformationen an alle Schüler. Nicht alle Lehrer waren in der Sozialistischen Einheitspartei, aber geschichtliche und kalendarische Besonderheiten wurden stets korrekt vom parteilichen Standpunkt behandelt. Jeder Lehrer hatte seine menschlichen Schwächen, die wir Schüler schnell mit bekamen und auch ausnutzten. Das Wichtigste war, schnell wieder aus der Schule zu verschwinden, oder Ausfallstunden für Sport zu nutzen. Da es eine Sporthalle in Schulnähe nicht gab, wurde daneben auf einem freien Feld  Fußball, Völkerball, Brennball, mit immer wachsender Begeisterung gespielt. Der Sandboden wurde dadurch immer weicher und wir sahen dem entsprechend aus. Klassenkameraden sind aus meinem Gesichtsfeld entschwunden und die Erinnerung lässt langsam nach. Wer weiß ob ich, oder ander mich noch erkennen würden? Ein paar Peinlichkeiten von mir, lasse ich aus. Der Stärkste in der Klasse war Michael M., der angeblich ein Produkt eines sowj. Soldaten sein sollte, was uns aber nicht störte. Anneliese R. hatte eine hellbraune Haut, krause Haare und hatte von den Mädchen die zweitgrößten Brüste. Auch sie war ein Kind eines Soldaten, woran von uns jedenfalls Niemand Anstoß nahm. Politik interessierte nicht, aber alle waren in der Pionierorganisation und alle sammelten fleißig Schrott und als Steine gebrauch wurden für den Rostocker Hafen, da haben wir gesammelt. Martin braucht Schrott, war die andere Devise. In der Schule roch es nach Bohnerwachs und die  Toilette war Gott sei Dank in einem kleinen Nachbargebäude, sonst hätte die ganze Schule danach gerochen. Die ersten vier Jahre musste ich zu Fuß, die ca. 6 km. Gehen, aber dann, als ich schon mit dem Fahrrad meines Vaters, ohne Sattel, fahren konnte, wurde ein 26 `ger Rad für mich zusammengebaut. Nach der 8. Klasse wurde ich auf eine 10 Klassen Oberschule umgeschult, die ich dann auch noch schaffte, ohne sitzen zu bleiben. Als Fremdkörper und der große Schweigende, hatte ich zunächst nichts zu lachen. Die Grenze zu Westberlin war schon einige Jahre zu, aber der RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor), der SFB, AFN (amerikanischer Soldatensender) wahren die anders gearteten Radiosender, die wir zu Hause mit den typischen, beliebten Schlagersendungen abhörten. Nachrichten, politische Kommentare, Witze über das System in der SBZ (sowjetischen Besatzungszohne) mit dem Genossen Pinsel und Genossen Schnorchel und gefühlvolle Ansprachen an die Brüder und Schwestern in dem Gebilde was sich DDR nennt, wurden auch von mir abgehört. Sonntagmorgen um 10:00 Uhr kam der Onkel Tobias vom RIAS und abends kam Donnerstag die Sendung „Es geschah in Berlin“ mit Kommissar Zet. Im Sommer stand auch ich an der Strasse, wenn die „Friedensfahrt“ durch unseren Ort führte. Anschließend ackerten wir Jungs damals auch immer „wie die Blöden“ mit unseren Rädern, über den lang gezogenen Fuchsberg und waren dann fix und fertig. In den Kartoffelferien haben wir natürlich auf den Feldern der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) Kartoffeln gesammelt und pro Weidenkorb, genannt Kiepe, 20 Pfennige bekommen. Eine schöne, sorglose Zeit, die wir mit vielen Dummheiten auszufüllen wussten. Das Unkrautvernichtungsmittel, welches frei in der BHG (Bauern Handelsgesellschaft) verkauft wurde hieß „Unkraut EX“ und war ein ideales Experimentiermittel. Man konnte es in Wasser lösen, Zeitungen, Löschblätter, weiche Röhren-Pappe tränken und nach der Trocknung (auch Papierstrippe wurde zum super Zünder) zu sehr effektvollen Bomben, wenn es in Behältern explodierte. Noch einfacher war es Unkrautex mit Zucker, Kaliumpermanganat gemischt, in einem Reagenzglas elektrisch gezündet, den Riesenknall zu genießen. Ein abgesägtes Rohr an einem dünnen Drahtseil wurde zur Rakete und eine explodierte Sektflasche in einer Baugrube führte zu Untersuchungen der Polizei. So viel zu einigen kleine Dummheiten. Was wir Jungs (jeder für sich) noch mit den Mädels angestellt haben, lässt mich heute noch vergnügt schmunzeln. Es kamen Fernseher, Kofferradios (im wahrsten Sinne des Wortes) und Tonbandgeräte. Wir feierten so genannte Feten, mit selbst gemachten, mitgebrachtem Wein, hörten Musik, tanzten Rock`n Roll, waren auch mal betrunken, aber fanden immer fast unbeschadet nach Hause. 

*   *   wird fortgesetzt und bebildert *   *              

Autor: hladam -- 2.2.2006 5:40:43

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